Wie es der Zufall will, hat Dr. Braun direkt am nächsten Tag einen Termin frei. Meine Mutti zieht mich schon fast in die Praxis rein, weil ich trödele und am liebsten Zuhause geblieben wäre. Beim Arzt muss ich artig im Wartezimmer sitzen. Immerhin gibt es ein paar Bücher – da suche ich mir eins zum Lesen aus. Nach ein paar Seiten werden wir aufgerufen und gehen ins Arztzimmer. Mutti redet mit Dr. Braun, ich sitze auf dem Stuhl neben ihr und schaue mir die Bilder an der Wand an. “So, dann wollen wir dich doch mal wiegen.”, sagt Dr. Braun und ich schrecke hoch. Ich muss meine Kleider ausziehen und mich auf die Waage stellen. Es ist so kalt im Zimmer und noch dazu finde ich es blöd, mich jetzt hier auszuziehen. “27 Kilo”, murmelt Dr. Braun und geht zurück zu seinem riesigen Schreibtisch.
Ich ziehe mich schnell wieder an. Währenddessen sucht er schon irgendwas in einer Schublade, das er meiner Mutter hinlegt. “Das würde ihr bestimmt gut tun und ist auch gar nicht so teuer”. Sie reden weiter und meine Mutter unterschreibt etwas. Ich höre die Worte “Kur” und “Erholen”. Ich dachte schon, ich bekomme ganz eklige Medizin, aber gegen Urlaub habe ich nichts. “Sechs Wochen allein”, sagt er noch – da wird es mir ganz anders. Ich dachte, wir gehen da zusammen hin – Mutti, Vater und ich. Aber da ist es schon zu spät, Mutti sagt, dass ich ja schon groß bin und das bestimmt schaffen werde und ehe ich weiter darüber nachgedacht habe, haben wir die Praxis auch schon wieder verlassen.