Endlich sind wir angekommen. Dass wir so schnell gelaufen sind, hat mich echt aus der Puste gebracht. Das Kurheim ist ein großes Backsteinhaus am Stadtrand. Gleich daneben beginnt ein Wald mit hohen Tannenbäumen. Auf den ersten Blick wirkt es hier sehr ruhig, aber auch irgendwie unheimlich.
Im Eingangssaal des Hauses ist es kühl und ziemlich dunkel. Tante Doris sagt, wir sollen uns in zwei Reihen aufstellen – für die Anmeldung. Ich sage der jüngeren Frau mit Schreibmaschine meinen Namen, wie alt ich bin und woher ich komme. Nachdem sie alles abgetippt hat, lächelt sie mich an und sagt, sie freut sich, dass ich hier bin. Da fühle ich mich kurz besser.
Am nächsten Tisch sollen wir alle unsere Sachen abgeben, bis auf die Klamotten natürlich. Das Kind vor mir weint, weil es seinen Plüschhasen abgeben muss. Das tut mir leid. Ich finde es unfair, dass wir unsere Sachen nicht behalten dürfen. Die haben meine Eltern mir doch extra noch eingepackt. Ich traue mich aber nicht zu widersprechen, weil mir die alte Frau hinter den Kisten Angst macht. Ich gebe ihr meinen kuscheligen Teddy, die Bücher und den Beutel mit Süßem und stelle mich zu den anderen Kindern auf die andere Seite des Saals.
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