Die Abreise zur Verschickung ist häufig nur verschwommen oder gar nicht in Erinnerung
geblieben. Manche ehemalige Verschickungskinder können sich an kurze Momente am Bahnhof, an
andere Kinder oder an die Übergabe an Aufsichtspersonal erinnern.
Deutlicher sind Erinnerungen an die Vorbereitungen vor der Abreise, wie zum Beispiel das
bestücken der Kleidung mit Stoffstreifen, auf denen der Name des Kindes zu lesen ist.
„Wir mussten an den Bahnhof, den Hauptbahnhof in Stuttgart, Gleis 16, das ist
mir noch im Ohr und man wurde dann dort, oder ich wurde dann dort sehr harsch getrennt von
ihr [der Mutter]. Sie musste dann vorne am Gleis, da Kopfbahnhof, stehen bleiben und die
Kinder wurden dann sofort von einer Betreuerin in Empfang genommen und in den Zug geladen,
also das war ein sehr abrupter Abschied.”
– zweimal verschickt Anfang der
1960er, damals ca. 5/8 Jahre
„Also davor erinnere ich mich noch in der Vorbereitung, da hat man überall
diese Einnäher machen müssen, damit man diese Kleidung sortieren kann und das muss
wahrscheinlich tagelang gewesen sein, dass da meine Mutter mit Einnähen beschäftigt war.”
– verschickt 1972, damals 7
Jahre
„Die [Verschickung] wurde kundgetan. Die wurde in dem Moment kundgetan als
irgendwelche Schablonen auftauchen, mit denen dann die Mutter und Großmutter, die das ganze
mitgetragen haben, dann Kleidungsstücke gekennzeichnet haben und irgendwelche Listen
abgearbeitet haben und damit wurde mir kundgetan, dass ich jetzt irgendwo hinfahre.”
– verschickt ca. 1965, damals ca. 6
Jahre
„Die Kleidungsstücke mussten alle mit diesem Namensschild versehen werden, auch
alle anderen Sachen, wie Stofftiere, mussten mit einem Namensschild versehen werden und ich
kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter tagelang vorher genäht hat.”
– verschickt ca. 1981, damals ca. 9
Jahre
„Auffällig war dann auch noch, das erinnere ich auch noch, dass andere Kinder
aus der Nachbarschaft kamen und mir dann irgendwelche Spielzeuge mitgenommen haben. Davon
war ich völlig irritiert und konnte das nicht einordnen.”
– verschickt 1972, damals ca. 5
Jahre