Nach der Schule drücke ich Ulli nochmal ganz doll. Ich weiss ja, dass ich meine Freunde jetzt eine Weile nicht sehen werde. Gestern beim Tasche Packen, meinte Mutti zu mir, dass die Kur bestimmt schön wird und ich viele andere Kinder kennenlerne. Deswegen habe ich extra meinen Teddy eingepackt, dann können ich und die anderen Kinder mit ihm spielen. Später am Bahnhof freue ich mich dann aber nicht mehr so aufs Spielen mit den anderen. Da sind ganz viele andere Kinder, die weinen, weil sie weg von ihrer Mutti und ihrem Vater müssen. Da muss ich selbst ein bisschen weinen. Und dann kommt auch noch eine Frau und sagt, ich soll jetzt in den Zug zu den anderen Kindern einsteigen, obwohl ich noch gar nicht richtig Tschüss gesagt habe. Ich versuche, Mutti durch das Zugfenster zu zu winken, aber da sind so viele Leute, sodass ich sie gar nicht richtig sehen kann. Das macht mich wirklich traurig, aber neben mir sitzt ein älterer Junge, da will ich nicht losweinen. Beim Losfahren, schaue ich die ganze Zeit die Bäume und Wiesen aus dem Fenster an und es ist eigentlich ganz gemütlich. Die anderen Kinder sind auch ganz still, nur ein Junge weint noch ein bisschen. Wir fahren sehr, sehr lange. Irgendwann schlafe ich einfach ein.
Als jemand ganz laut mit der Tür vom Abteil knallt, wache ich wieder auf. Da ist eine Frau, die ganz grimmig schaut und ein langes Kleid an hat. Sie sagt, wir sollen jetzt unsere Jacken anziehen und schnell rausgehen. Ich finde meine Jacke erst nicht, weil sie unter den Sitz gerutscht ist und ich glaube, die Frau ist deshalb ein bisschen böse auf mich. Auf dem Bahnsteig draußen stehen wir Kinder dann in einer großen Gruppe. Fast keiner redet um mich herum. Ich glaube, alle finden den Bahnhof irgendwie gruselig. Die Frau sagt, sie heißt Tante Doris und dass wir uns zu zweit aufstellen sollen. Dann laufen wir sehr lange hinter ihr her. Wir sind schon fast am Rennen, weil sie so schnell läuft und immer wieder sagt, wir sollen uns beeilen. Ein paar Mal bin ich fast hingefallen.
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