Die Kinder, die aus einer Verschickung heimkehrten, litten häufig unter den Erlebnissen in der Kur. Die oftmals harten und grausamen Erziehungsmethoden prägten die Kinder. Es begleiteten sie oft Gefühle der Scham und der Hilflosigkeit. Das Vertrauen war in vielerlei Hinsicht zerstört. Das, was ihnen im Heim widerfahren ist, konnten viele Kinder nicht einordnen und in Worten ausdrücken. Doch dass ihnen ein Unrecht angetan wurde, war für sie oftmals greifbar und mit tiefer Traurigkeit sowie Unverständnis verbunden. Viele Kinder verfielen in Resignation und zogen sich in sich zurück.
Die in dem Kurheim häufig verlangte Einhaltung der strengen Regeln wie beispielsweise das Schweigen am Mittagstisch oder das Verbot, in der Nacht die Toilette aufzusuchen, prägte sich bei den Kindern ein. Auch die Strafen bei Nichtbeachtung oder dem Gefühl, zu Unrecht bestraft zu werden, sorgten bei vielen Kindern für ein Ohnmachtsgefühl.
Diese prägende Zeit manifestierte sich, je nach individuellem Empfinden und den Erlebnissen der Betroffenen, in Ängsten, beispielsweise die Angst vor engen Räumen oder für sie unkontrollierbaren Situationen.
Ehemalige Verschickungskinder berichten davon, dass sie nach ihrer Verschickung misstrauisch waren und stetig in der Angst lebten, noch einmal verschickt zu werden.
Nicht selten kam es nach der Verschickung zwischen den Eltern und dem Kind zu einem Bruch, der unterschiedliche Ausmaße annehmen konnte.
Die Wandlung von teils extrovertierten und offenen Kindern zu verstummten und verschüchterten Kindern wurde nicht immer mit Sorge betrachtet oder negativ aufgefasst: In dem damals gesellschaftlichen Bild sollten Kinder schweigsam und gehorsam sein. Erst einige Jahre später geschah, hinsichtlich der Erziehungsideale, ein breit gefächerter Umschwung. Diese Veränderung erreichte ungefähr Mitte der 90er Jahre auf institutioneller Ebene die Heilstätten und Kindererholungsheime. Damit einher ging eine Umstrukturierung der Heime zu Mutter-Kind-Kliniken.
Das Schweigen und Bagatellisieren der Eltern wirkt sich bis heute auf das Leben vieler ehemaliger Verschickungskinder aus. Doch nicht alle Eltern schwiegen darüber und sahen die Veränderung ihres Kindes hinweg: Einige Eltern beschwerten sich bei dem zuständigen Träger der Verschickung.
Auch kamen die Kinder oft in einem deutlich verschlechterten Gesundheitszustand aus der Kur zurück: Schlechte Hygienebedingungen, unangemessene medizinische Maßnahmen und die Ernährungssituation sorgten mitunter dafür, dass sich die Kinder nicht entgegen der Zielsetzung erholten oder gesundeten, sondern (psychisch und/oder körperlich) erkrankten. So berichten einige Verschickungskinder beispielsweise, sie seien nach dem Kuraufenthalt lange nicht mehr trocken geworden.
In vereinzelten Fällen haben Kinder in ihren Kuraufenthalten Kameradschaft, Spielnachmittage und freundliches Personal erlebt.
Die psychischen und körperlichen Folgen der Verschickungen spüren viele ehemalige Verschickungskinder teilweise noch bis heute. So haben sie beispielsweise Probleme mit bestimmten Gerüchen, die sie in die damalige Zeit zurückversetzen. Es kann zu ganz verschiedenen Symptomen kommen, dazu können Depressionen, Reizbarkeit, Angstzustände, Essstörungen und Trennungstraumata gehören.
Auch berichten einige ehemalige Verschickungskinder davon, sie hätten damals gelernt stundenlang starr zu liegen. Geräuschloses Weinen oder ein plötzlich auftauchendes starkes Durstgefühl können ebenfalls zu den Folgen der damaligen Erziehungsmethoden gehören.
In anderen Erfahrungsberichten erzählen ehemalige Verschickungskinder von einem Gefühl des “Falsch seins”, welches sie (lange) nicht ablegen konnten.
Außerdem merken Betroffene an, dass die Essenssituation im Speisesaal deren Verhältnis zum Essen nachhaltig prägte. So berichten Betroffene, dass sie bis heute keinen Geschmack wahrnehmen, wenn sie essen und das Essen selbst als Muss der Tagesordnung wahrnehmen.
"Da kam man zurück und entweder kam man durch oder nicht."
– verschickt ca. 1965, damals ca. 6 Jahre
"Ich war dann in der Schule total hinterher und sowas wie Nachhilfe gab es damals nicht.” „Ich weiß, dass meine Mutter gesagt hat ‚Dieses Zunehmen da war ja nur so ein‘ wie hat sie's genannt ‚so'n Aufschwemmen.‘.”
– verschickt 1972, damals 9 Jahre
Dem ehemaligen Verschickungskind wurde erzählt, es würde einen Ausflug machen und Abends wieder zuhause sein: „Ich war ja fünf Jahre alt und wusste schon, was wohl ein Ausflug ist. Ich hab dann – ich schätz‘ das heute mal auf eine zehn- bis elfstündige Zugfahrt, sukzessive realisieren müssen, dass das mit dem Ausflug so nicht stimmen kann. So sind mir dann quasi im Zeitlupentempo die einzelnen Wurzeln abhanden gekommen. So dass ich am Ende des Tages dann festgestellt habe, dass ich eigentlich alles verloren habe."
– verschickt 1972, damals 5 Jahre
"Auf der Heimreise ist das Gefühl von der Hinreise umgekehrt präsent gewesen. Während ich damals noch die ganze Zeit an den versprochenen Ausflug geglaubt habe, ging es mir auf der Heimreise so, dass ich mir sicher war, dass ich nicht heimkomme, sondern wo anders hin. Da habe ich die ganze Zeit nur gedacht, die können mir viel erzählen. Ich bin schon mal reingefallen, das passiert mir nicht noch mal."
– verschickt 1972, damals 6 Jahre