Badezimmer

Zwei Mal die Woche baden wir. Zu Hause macht mir baden Spaß. Da habe ich eine gelbe Ente, die ich schwimmen lasse und kann ein bisschen planschen. Hier wird jeder in eine Badewanne gesetzt und muss ganz still sein. Dann waschen wir uns mit einem Lappen. Wehe man verspritzt ein bisschen Wasser, da bekommt man ordentlich Ärger von der Tante. Es ist ein komisches Gefühl, nackig mit so vielen anderen Kindern im Raum zu sein, ich versuch immer niemandem in die Augen zu schauen.

Kuranwendungen und Waschräume

In einem kahlen Badezimmer, in einem Verschickungsheim, befanden sich circa 9 bis 16 Badewannen nebeneinander gereiht. Eine Tante lief dazwischen durch und behielt so alle Kinder im Blick und kontrollierte, ob alles in Ordnung war. Das Badewasser war oft dreckig und es wurde angenommen, dass alle Kinder in demselben Wasser gewaschen wurden und es kein extra frisches Wasser für jedes Kind gab. Circa einmal in der Woche sollten sich die Kinder baden, davor wurden sie lediglich mit einem Waschlappen gesäubert. Es wird auch vermutet, dass sich, zumindest in manchen Verschickungsheimen (Information von einem ehemaligen Verschickungskind aus Bad Dürrheim), aus Heilmittelgründen, ein Zusatz im Wasser befand. Danach sollten sich die Kinder in einen Salzstollen legen, da die Luft den Asthma-erkrankten Kindern helfen sollte.

Zitate

"Da war ein kleiner Raum, wie ein Badezimmer gefliest und an den Rändern rum waren Holzbänke. Dann mussten wir uns weiße Mäntelchen anziehen [...] mit Kapuzen, dann mussten wir uns in der Reihe aufstellen und in diese Kammer hineinlaufen und uns an den Rand setzen. Dann mussten wir Lauthals singen, währenddessen wurde ein Dampf eingesprüht in diese Kammer."

– verschickt ca. 1981, damals ca. 9 Jahre

"Weil wir in diesem Raum waren, wo diese Düsen waren, wo dieses Salzwasser raus - oder diese Salzluft ich glaube es war - nein Dampf war's glaube ich gewesen. Also so ein ganz nüchterner, geblättelter Raum, wo man auf Holz - wahrscheinlich waren es Holzbänke im Kreis gesessen sind und dieses Duschteil oder dieses Dampfteil war in der Mitte und wir haben da Büchlein gekriegt [..] irgendwas mit Orgel [...] also so ein kleines Gesangbuch, mit diesen Fartenliedern [...] und da hat jede und jeder eines gekriegt außer ich, weil ich war die Letzte und sie haben zu wenig gehabt, von denen Heftchen und die haben es tatsächlich in diesen sechs Wochen nicht geschafft mir wieder ein Heftchen zu besorgen und ich war immer ohne Text und das war völlig frustrierend."

– verschickt 1972, damals 7 Jahre