Viele ehemalige Verschickungskinder berichten von Ausflügen in die Natur, beispielsweise in den Wald, auf die Wiese hinter dem Haus, zu Wasserfällen oder zu einem Kiosk, der sich in der Nähe des Heimes befand. Dabei mussten viele Kinder immer leise sein und durften keine Fröhlichkeit zeigen. Andere ehemalige Verschickungskinder wiederum haben an die Ausflüge aber schöne Erinnerungen. Die Ausflüge wurden oft als Strafe eingesetzt: Wenn ein Kind nicht spurte, durfte es nicht an dem Ausflug teilnehmen.
Ein Stadtbesuch blieb den meisten Kindern verwehrt, da es hieß, sie würden die anderen Kurgäste stören. Manche ehemaligen Verschickungskinder berichten davon, dass sie als pädagogische Maßnahme bei Ungehorsam oder anderen (vermeintlichen) Vergehen öffentlich gedemütigt wurden. Das konnte beispielsweise dadurch geschehen, dass ihnen bei einem Ausflug ein Schild um den Hals gehängt wurde. Auf dem Schild stand, was das Kind angeblich gemacht haben sollte.
Weiterhin konnten sich die Ausflüge in manchen Fällen auch an den Zielen der Kur orientieren: Die Kinder, die abnehmen sollten, mussten in der Regel öfter beispielsweise das Schwimmbad besuchen oder stramm spazieren gehen. Sollten die Kinder hingegen “aufgepäppelt” werden, wurden solche Aktivitäten laut manchen Erfahrungsberichten ehemaliger Verschickungskinder eingeschränkt.
"Wir sind dann wieder zurückgekommen, wie gesagt vor dem Kurheim ein kleiner Spielplatz mit Spielgeräten und ich erinnere mich wir sind, zwei zu zwei mussten wir gehen, ich war mit meinem Kameraden da zusammen und wir sahen von Weitem schon so ein Karussell vorm Eingang und haben uns aus der Schlange gelöst weil wir begeistert waren von dem Ding das da vor uns stand und sind dann einfach dahin gelaufen und haben uns da vergnügt und das war natürlich nicht erlaubt. Wir kamen dann rein ins Haus und wurden dann zur Rede gestellt und das war wohl am frühen Nachmittag, wir wurden dann sofort in unseren Schlafsaal gesperrt, der wurde verdunkelt und wir blieben dann dort eingesperrt bis zum Abend ohne Essen und mussten die nacht und den nächsten Tag noch, den ganzen Tag im abgedunkelten Raum verbringen."
– zwei mal verschickt Anfang der 1960er, damals ca. 5/8 Jahre
"Also der Ausflug war wirklich schön, aber alles andere habe ich wirklich als Zwang [empfunden]"
– verschickt 1975 damals 9/10 Jahre alt
"...einmal in der Woche sind wir schwimmen gegangen und das hat mir immer am meisten Spaß gemacht von allem - und alle Kinder waren schon im Schwimmbad und ich musste dann in den Schlafsaal…"
– verschickt 1970/71, damals 6 Jahre alt
"Es gab schon Ausflüge, bei denen wir mit mussten. Wir sind da auch nach Berchtesgaden gefahren mit Bussen. Das hab ich deswegen in Erinnerung, weil wir eigentlich zu fünft dahinten auf der letzten Bank im Bus immer Schafkopf gespielt haben. Aber dann haben sie mich nach vorne zitiert und ich musste den Kindern, die sich übergeben haben, die Spucktüte halten. Weil mir beim Busfahren nicht schlecht geworden ist."
– verschickt 1965, damals 5 Jahre