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Kinderverschickungen

Die wichtigsten Sachbücher zum Thema Kinderverschickungen

Zusammengefasst und eingeordnet von
Professor Dr. Nando Belardi
(copyright by Nando Belardi)

Stand: März 2024

Es liegt an der Thematik, dass es in den folgenden Büchern manchmal zu Wiederholungen kommt. In meiner Zusammenstellung versuche ich das möglichst zu vermeiden und jeweils neue Aspekte in den Text einzubauen.

Schwarze Pädagogik

“Schwarze Pädagogik”?

Bei den millionenfachen Verschickungen von Kindern in sogenannte “Kurheime” der Jahre 1950 bis 1990, kam es nicht nur zu häufigen Gewalthandlungen. Während der meistens sechs Wochen dauernden “Kuren” wurden Kinder auch sexuell missbraucht. Einige kamen zu Tode. Statt gesund zu werden, wurden vermutlich Millionen von Kindern für ihr Leben geschädigt. 

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Elend der Verschickungskinder

Anja Röhl: Das Elend der Verschickungskinder

Kindererholungsheime als Orte der Gewalt

Gießen: Psychosozial-Verlag 2021.
300 S., Preis: 30 Euro.

ISBN: 978-3-8379-3053-5

Das Buch von Anja Röhl gilt zu Recht als das zentrale Werk über das Thema. Sie hatte Pionierarbeit geleistet. Ich finde das Buch beispielhaft gegliedert. Denn es trennt klar zwischen den wissenschaftsbezogenen, also auf Fakten basierten Kapiteln, sowie den etwa 150 Seiten umfassenden Texten, welche auf den Berichten von Verschickungskindern beruhen. Was steht drin? Nach einleitenden Erläuterungen beschäftigt sich Röhl mit dem historischen Hintergrund der Verschickungen.

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Die Akte Verschickungskinder

Hilke Lorenz: Die Akte Verschickungskinder

Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden

Weinheim Basel: Beltz. 2021, 300 Seiten, Preis: 22 Euro

ISBN: 978-3-407-86655-4

Die Autorin ist Redakteurin bei der Stuttgarter Zeitung und hatte schon mehrere populär geschriebene Sachbücher veröffentlicht: “Kriegskinder – das Schicksal einer Generation” oder “Heimat aus dem Koffer”. 

Wie schon erwähnt gebührt Anja Röhl der große Verdienst, die Skandale um die Verschickungskinder aufgedeckt und mit ihrem Buch von 2023 bedeutete Fakten bekannt gemacht zu haben.

Aber schon bei Lorenz wird die Beschwerde einer damals 18-jährigen Kinderpflegerin gewürdigt. Denn sie hatte schon 1969 öffentlich auf die unhaltbaren Zustände in den Heimen aufmerksam gemacht.

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Lena Gilhaus: Verschickungskinder

Eine verdrängte Geschichte

Kiepenheuer und Witsch, Köln 2023,  350 Seiten, Preis: 24 Euro

Lena Gilhaus ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet als Journalistin. Sie hat mehrere gelobte Reportagen über die Verschickungskinder verfasst. Das hier vorliegende Buch ähnelt im Aufbau der Publikation von Hilke Lorenz.

Anstoß war die Geschichte ihres Vaters. Diese bildet im Buch eine Rahmenhandlung. Die Leser werden mit auf eine Reise zum Heim des Vaters genommen. Dazwischen kommt es aber auch zu Berichten anderer Opfer sowie über deren Einrichtungen.
Viel Raum nehmen auch die Heime in der DDR ein.
Die DDR-Verschickungsheime wären einer eigenen Untersuchung wert.
Am Ende des Buches von Gilhaus fand ich das umfangreichste Quellenverzeichnis zum Thema. Zusätzlich gibt es Angaben über Medienberichte und Internetquellen.

Um Wiederholungen zu vermeiden, gehe ich in der folgenden Besprechung eher auf neue Aspekte und Informationen ein.

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Hans-Walter Schmuhl: Kur oder Verschickung?

Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Dölling und Galitz-Verlag. Hamburg, 300 Seiten, 28 Euro

ISBN: 798-3-86218-163-6

Weil es in diesen Zusammenhang passt und ein von einer Trägerorganisation in Auftrag gegebene Studie ist, soll sie hier noch einmal abgedruckt werden. Nach meinen Informationen handelt es sich um die erste Aufarbeitung einer Trägerorganisation.

Das Thema im Überblick

Zwischen 1950 und 1993 wurden etwa zehn Millionen Kinder im Alter zwischen 4 und 14 Jahren in sogenannte Kinderkurheime unterschiedlicher Träger verschickt. Zwischen vier und fünf Prozent, also etwa 450.000, davon befanden sich in drei Heimen der DAK oder in anderen von dieser Kasse beauftragten Einrichtungen. Insgesamt soll es im Jahre 1963 in der BRD über 800 Kur-, Heil-, Genesungs- und Erholungsheime für Minderjährige mit über 56.000 Plätzen gegeben haben (S. 90). Es handelte sich um einen riesigen und heute noch weitgehend unbekannten Markt.

Der Verfasser des Buches

Hans Walter Schmuhl ist außerplanmäßiger Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Er ist freiberuflicher Historiker und Autor bzw. Mitautor einiger Bücher über kirchliche Einrichtungen und deren Heime.

Geleitwort

Von Andreas Storm (Vorstand DAK) und Dieter Schröder (Verwaltungsrat DAK).

Nachdem in den letzten Jahren viele negative Vorkommnisse, auch bei anderen Heimträgern, bekannt wurden, bemühte sich die DAK “das Leid der Opfer anzuerkennen”. Man nahm Kontakt zu den Betroffenen und ihren Organisationen auf und bat um Entschuldigung (S. 10f.).

Schmuhl fertigte im Auftrag der DAK innerhalb eines Jahres diese Studie an. Er hatte Zugang zu den Archiven. Bei derartigen Auftragsuntersuchungen ist Vorsicht geboten. Denn es gab in der Vergangenheit viele gut bezahlte Gefälligkeitsstudien.

Dabei ging es auch um Reinwaschung beschuldigter Organisationen. Wie hat der Verfasser diese Aufgabe gelöst?

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Gewitternächte in Nickersberg Ottmann Das „Kinderkurheim“ des Dr. Bartsch – Eine Dokumentation

Anton Ottmann: Gewitternächte in Nickersberg

Das “Kinderkurheim” des Dr. Bartsch. Eine Dokumentation

Lindemanns-Verlag, Bretten, 2021, 78 Seiten, Preis: 12 Euro.

ISBN:978-3-96308-138-5

(Auch im Internet)

Der Verfasser dieser kleinen Schrift war Lehrer und ist Autor verschiedener Publikationen. Er erinnerte sich an seinen Aufenthalt als Zehnjähriger im Kinderkurheim Nickersberg bei Bühl im Schwarzwald. Geleitet wurde diese Einrichtung vom Ehepaar Elisabeth und Dr. Paul Bartsch (1873-1977). Einige 10.000 Kinder sollen das Haus in den 13 Jahren der Leitungstätigkeit des Ehepaares “An Leib und Seele gestärkt” verlassen haben – so damals die regionale Presse (S. 17). Sieht man sich einige Kurzbiographien von Kindern an, so wird deutlich, dass die Wirklichkeit anders aussah. Im Buch wird einiges zur Geschichte dieses Heimes dargestellt. Einen größeren Teil der Publikation nimmt die Gegenüberstellung des tatsächlichen und erfundenen Lebenslaufes des Dr. Bartsch ein. Dieser Mann war ein Lehrer, der so tat, als ob er Arzt und Psychotherapeut gewesen wäre. Er war auch in die NS-Ausmerzepolitik verstrickt. In seinen Schriften rechtfertigte er Konzenstrationslager, Euthanasie und  Zwangssterilisationen (S. 51).

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Verschickungskind - Ein Rinnsal in den Hinterhalt Udo Evers

Udo Evers: Verschickungskind

Ein Rinnsal in den Hinterhalt

Laumann-Verlag, Dülmen, 2022, 68 Seiten, Preis: 10 Euro

ISBN: 978-3-89960-497-9

Einem fünfjährigen Jungen wird vorgegaukelt, dass es zu einem Ausflug gehe. Doch er verschwand für Wochen in einem “Kindersanatorium” namens “Villa Sommerberg” des Mineral- und Moorbades Rippoldsau im Schwarzwald (S. 61). Danach ging es ihm wie Millionen von anderen Kindern: “Die Bastion der Eltern als Vertrauensgaranten war nun endgültig in sich zusammengefallen” (S. 21). Er trifft im Heim auf eine Hierarchie älterer und gewaltbereiter Jungen und erlebt Todesangst. Der häusliche Hintergrund: Seine Mutter war gewalttätig; der Vater früh gestorben. Schuld und Scham waren die vorherrschenden Gefühle bei ihm. Bis ins Erwachsenenalter hat er Schwierigkeiten, sich an andere Menschen zu binden. Als er 2020 in einer TV-Sendung des ZDF von den “Kinderverschickungen” erfährt, erlebt er, dass er nicht alleine ist. Ihm wurde klar, dass er Opfer eines für einen Fünfjährigen unbekannten Systems geworden war.

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Verschickt - verdrängt - vergessen Ein persönlicher Erfahrungsbericht des Verschickungskindes Regina Baumann

Regina Konstantinidis: Verschickt – Verdrängt – Vergessen

Ein persönlicher Erfahrungsbericht des Verschickungskindes Regina Baumann

BoD – Books on Demand. Norderstedt 2021, etwa 130 Seiten.   Preis: 10 Euro

ISBN: 978-3-755-70065-4

Auf den ersten dreißig Seiten wird von Familie, Kindergarten und Schule eines Mädchens berichtet. Die Familie lebte am Stadtrand von Essen. Die alleinerziehende Mutter war mit den vier kleinen Kindern überfordert. Allerdings erfuhr das Mädchen körperliche Gewalt erstmals durch einen katholischen Kaplan in der Schule. Anfang der 1970er Jahre wurde das Kind im Alter von sechs oder sieben Jahren für sechs Wochen in das “Haus Ruhreck” auf der Insel Borkum “verschickt”.

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Heimweh - Verschickungskinder erzählen Von Anja Röhl

Anja Röhl: Heimweh

Verschickungskinder erzählen

Psychosozial-Verlag, Gießen 2021, 228 Seiten, Preis: 25 Euro.

ISBN: 978-3-8379-3117-4

In ihrem zweiten Buch über die Verschickungskinder gibt Anja Röhl den Lesern Einblicke in das Schicksal von 23 Menschen, die als Kinder Opfer der deutschen Jugend-, Schul- und Gesundheitsbehörden geworden waren. Die Schilderungen ähneln sich so sehr und gleichen auch den Beschreibungen in anderen Publikationen, dass man meinen könnte, es handelte sich um ein einheitliches Konzept. Nein, das war nicht so. Die vielen Heime und ihre Träger hatten eigentlich nichts miteinander zu tun: Oder doch? Das was dort geschah, war Folge der “Schwarzen Pädagogik”, der Ausbildung, Haltung und Praxis von Ärzten und Aufpasserinnen, die vorwiegend aus der Nazi-Zeit stammten und etwa bis 1990 wirken konnten.

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Schwarze Häuser Von Sabine Ludwig

Sabine Ludwig: Schwarze Häuser

Dressler Verlag, Hamburg 2022. 346 Seiten. Preis 10 Euro

ISBN: 978-3-7915-1204-4

Die 1954 geborene bekannte Kinderbuchautorin Sabine Ludwig wurde Mitte der 1960er Jahre in ein “Kinderheim” auf eine Nordseeinsel “verschickt”. Aus diesem Grunde ist das “Kinderkurheim” Kiebitz auf Borkum der Hauptort der Handlung dieses Romans für Kinder. In der Einrichtung erlebte die Hauptperson, die zwölfjährige Uli, alle Grausamkeiten, die auch aus anderen Berichten über “Verschickung” bekannt geworden sind: Demütigungen und entwürdigendes Verhalten der unfähigen und manchmal betrunkenen “Erzieherinnen”, Briefzensur, Wegnahme persönlicher Gegenstände, gewaltsames Füttern und Zwang, das Erbrochene auszuessen. Doch etwas war anders: Denn dieses Buch wurde als Kinderbuch geschrieben. Es entwickelte sich eine eigene Kultur der Kinder gegen die Gewalt des Heimes. Da gab es Protest und Sabotage. Und dann auch einen lebensgefährlichen Fluchtversuch im Wattenmeer. Die Rettung kam in letzter Minute. Anders als leider oft in der Wirklichkeit, kamen die, von den Gewalttaten ahnungslosen Eltern, als Helfer und holten die Kinder nach Hause. Ein spannendes Kinderbuch, welches sich auch zum Vorlesen eignet.

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Katharina Drexler: Ererbte Wunden heilen

Therapie der transgenerationalen Traumatisierung

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2017, 160 Seiten, Preis: 25 Euro

ISBN: 978-3-608-89203-1

Dieses Buch ist beispielhaft für viele andere, welche versuchen, frühkindliche Traumata zu heilen. Denn inzwischen kennen wir eine Fülle von wissenschaftlicher Literatur über die Psychotherapie von Traumata; wie sie auch Millionen von Verschickungskindern erlebten. Viele von ihnen haben das bis heute nicht richtig bewältigen können.

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Ein Sonderfall

Kinderheilstätte Aprath (Kreis Mettmann)

Neben den “Kurheimen” gab es auch noch Einrichtungen, in welchen damals wirklich kranke Kinder geheilt werden sollten.

Eine solche Institution befand sich bei Wülfrath im Landkreis Mettmann. Diese befand sich in einem abgelegenen Waldgelände nahe Aprath. 

Der ärztliche Leiter dieser “Heilanstalt” war anfangs Georg Simon. Zwischen 1953 bis 1988 hatte sein Sohn Kurt Simon die Leitung inne. In dieser Szene gab es öfters Familienunternehmen.

Nach Aprath brachte man Kinder, die an der Tuberkulose (TBC) erkrankt waren. Als die TBC zurückging, wurde daraus zeitweise eine Lungenfachklinik und danach eine Altenpflegeeinrichtung. Diese ging im Jahre 2000 Konkurs. Später kaufte ein niederländischer Investor die Ruine.

Anders als bei den Massentransporten in die oben erwähnten Verschickungsheime wurden die Kinder von den Gesundheitsämtern einzeln nach Aprath verschickt. Eltern oder Mitarbeiterinnen der Jugendämter brachten oder holten die Kinder individuell ab.

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Titelseite Schmitz Abgegeben in fremde Hände

Dietmar Schmitz: Abgegeben in fremde Hände – warum gerade ich?

Ein Verschickungskind alleine unterwegs!

Weeze 2024, 44 Seiten

Zum Selbstkostenpreis für 8 Euro portofrei beim Autor bestellbar: Tel.: 173 72 390 86

Der Autor schreibt im Vorwort: “Nie hätte ich mir vorstellen können, jemals über mich etwas niederzuschreiben, und dies in einem Buchformat zu tun”. Denn das, was ihm passierte, hatte in seinem Leben “tiefe Wunden und sichtbare Narben hinterlassen” (S. 1).

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Eine eigene Zufallsumfrage

 

Meine zufällige Umfrage im Bekanntenkreis ergab, dass von etwa 20 Menschen, die als Kind in derartigen Heimen waren, fast alle von entwürdigender Behandlung sprachen. Mindestens 15 von ihnen äußerten, dass sie ihr Erbrochenes aufessen mussten. Nur zwei sprachen auch von positiven Aspekten ihres Heimaufenthaltes: Ein etwa zwölfjähriges Mädchen erinnerte anregende Spiele und Aktivitäten. Ein Junge aus armen Verhältnissen, dem vom Stiefvater oft auch die Nahrung verweigert wurde, erwähnte, wie gut es war, sich endlich einmal satt essen zu können.

Vom Opfer zum Kämpfer
Verarbeitung der Erlebnisse im Haus Bernward, Oberkassel.

Orte des Grauens
Verschickungsheime in Oberkassel

Interview
Medikamentenmissbrauch bei Heim- und Verschickungskindern.

Beschwerdebrief Kinderschutzbund
an den Landschaftsverband

Schließungsbescheid
vom Regierungspräsidenten Köln

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