25938 Föhr, 1966

Es gab auch Spritzen, für Kinder die nicht gehört haben.

Von: M.B.

Im Jahre 1966 (Ostern)war ich für 6 Wochen auf der Insel Föhr im Ortsteil Wyk. Da ich am 13.2.1961 geboren bin, war ich zu diesem Zeitpunkt gerade 5 Jahre alt. 

Für mich war es sehr schlimm das ich weg von Zuhause musste, aber meine Mama sagte, dass ich einen schlimmen Husten habe und deshalb wegmüsste. (angeblich hatte ich Keuchhusten). Ich habe meiner Mutter unter Tränen versprochen nicht mehr zu husten, nur damit ich zuhause bleiben konnte. 

Es half alles nichts. Sie brachte mich eines Tages zum Bahnhof Duisburg und setzte mich in einen Zug. Ich kann mich noch erinnern das ich ein Schild um den Hals trug und panische Angst hatte. Auf einem Schiff bin ich auch gewesen. Die Zeit auf der Insel in diesem Heim war schlimm. Wir wurden jeden Tag mit einem Wasserschlauch abgespritzt. Das Wasser war eiskalt. Wir standen nackt in einer Reihe, alle Kinder. Es war doch so kalt, schlimm war auch das Essen. So viel auf dem Teller und wir mussten alles aufessen, teilweise widerlich. Irgendwie Pampe, Graupen, Schleim, Klöße? ?????.

Es gab auch Spritzen, für Kinder die nicht gehört haben. Davor habe ich heute noch panische Angst. Vor Spritzen. Ich habe mich immer ruhig verhalten, damit ich keine Spritze bekomme. Wie gesagt die anderen Kinder haben davon erzählt. 

Ich kann mich auch noch an den Schlafsaal erinnern. Da waren viele Betten und wir durften unsere Schlaf Sachen nicht anziehen. Nur irgendwelche langen Nachthemden von da.

Nachts durften wir auch nicht mehr aufstehen um zur Toilette zu gehen. Zu dem Zeitpunkt war ich Daumenlutscher. Ein Trost, Mein Trost. Warum ich es nachher Zuhause nicht mehr war, weiß ich nicht mehr. Meine Mutter war so stolz, dass ich nach der Kur Zuhause nicht mehr am Daumen gelutscht habe. Ich weiß nur, dass nachts immer jemand ins Zimmer kam und uns beobachtet hat.

Ich kann mich auch noch gut an ein Mädchen erinnern die viel geweint hat, der habe ich für die 6 Wochen meine Puppe gegeben. Als Trost, damit sie nicht mehr weint. Das durften wir nicht. Ich wollte nicht, dass sie bestraft wird für die Tränen. Obwohl es mir vor lauter Heimweh auch nicht so gut ging. Aber wenn man leise ist fällt man nicht so auf. 

Ich habe drei Kinder und hätte sie NIE alleine in die Kur geschickt. Ich bin ihre Mama und keiner passt so gut auf sie auf wie ICH.

Auch wenn ich damals noch so klein war, habe ich noch gute Erinnerung an diese schreckliche Zeit und ich hoffe auf Verständnis und Hilfe ihrerseits. 

Anonymisierungs-ID: afa