Schwerpunkt Borkum

Borkum war über Jahrzehnte einer der zentralen Orte der Kinder­verschickungen in Deutschland. Zwischen den 1950er- und 1990er-Jahren wurden zahlreiche Kinder aus ganz Nordrhein-Westfalen – über viele Wochen – in verschiedene Heime auf der Insel geschickt. 

Quelle: Haus der Essener Geschichte/ Stadtarchiv, Slg. 953 (Fotoalben), 13.

Wie hoch die Heimdichte dort war, verdeutlicht diese Heatmap aus der ersten Bundesstudie zu ehemaligen Kinderkurheimen der Humboldt-Universität zu Berlin. Borkum ist dort rot eingezeichnet, das bedeutet, dass es dort besonders viele Verschickungsheime gab.Ein Download der Studie gibt es hier.

In der Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie am 19. Mai 2025 erklärte Studienleiter Prof. Nützenadel, dass es Heimaufsichten gab. Aber die Lage vieler Heime – etwa auf Inseln – habe die Kontrolle erschwert. 

Für viele Betroffene blieb diese Zeit prägend: Manche berichten von schönen Momenten am Meer, viele jedoch von belastenden Erfahrungen, von Heimweh, Strenge, Angst oder Demütigungen.

Wir richten unseren Schwerpunkt bewusst auf vier Heime, die stellvertretend für sehr unterschiedliche Trägerschaften und Erfahrungen stehen:

  • Adolfinenheim – ein Heim, dass von Diakonissinnen geleitet wurde, zu dem zahlreiche Berichte über belastende Erlebnisse vorliegen.
  • Haus Ruhreck – ein städtisches Einrichtung der Stadt Essen, in dem viele Kinder aus dem Ruhrgebiet untergebracht waren
  • Sancta Maria – ein katholisches Heim, geführt von Ordensschwestern, ebenfalls mit vielen schwierigen Schilderungen.
  • Haus Tüskendör – ein privat geführtes Heim, zu dem es positive Erinnerungen gibt.

Ohne die Recherchen und die unermüdliche Arbeit der Borkumaustauschgruppe wäre dieser Themenschwerpunkt nicht möglich gewesen. Die Gruppe leistet seit Jahren einen zentralen Beitrag zur Aufarbeitung der Kinderverschickung auf Borkum.

Wer die Borkumaustauschgruppe ist und wofür sie steht, stellen wir hier vor. Während Borkum für viele als Urlaubsort bekannt ist, verbinden zahlreiche Verschickungskinder mit der Insel bis heute belastende Erinnerungen. Diese Erfahrungen dürfen nicht vergessen werden.

Am 19. März 2026 erscheint ein neues Buch über Borkum ‚Borkum in olde Tieden‘ – eine historische Zeitreise, in dem es auch über das Thema Kinderverschickungen auf Borkum geht. Mehr zu dem Buch erfahrt in dem Beitrag von Haus Ruhreck.

 

Schwerpunkt Borkum

Quelle: Haus der Essener Geschichte/ Stadtarchiv, Slg. 953 (Fotoalben), 13.

Haus Ruhreck

Fast sieben Jahrzehnte lang prägte das Haus Ruhreck auf Borkum, ein Kinderkurheim der Stadt Essen, das Leben tausender Kinder. 1926 gekauft, stetig ausgebaut und bis 1993 betrieben, war es eines der bedeutendsten städtischen Erholungsheime – mit Platz für bis zu 482 Kinder pro Jahr.

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Sancta Maria

1901 entstand auf Borkum das erste Kinderkurheim der Insel: „Sancta Maria“, gegründet vom römisch-katholischen Geistlichen Carl Böddinghaus. Als Asthmatiker war Böddinghaus überzeugt vom heilsamen Hochseeklima und wollte Kindern einen Aufenthalt ermöglichen, der ihrer Gesundheit zugutekam.

Quelle: Archiv Heimatverein Borkum

Adolfinenheim

Das Adolfinenheim war mit seinen 250 Betten das zweitgrößte Kinderkurheim auf Borkum, durch seine lange Existenz von 1922-1996 ist es das Heim mit der längsten Geschichte auf Borkum.

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Haus Tüskendör

Ein privat geführtes Heim, zu dem es positive Erinnerungen gibt.

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Die Borkum-Austauschgruppe

Die Borkumaustauschgruppe vernetzt Betroffene der Kinderverschickung auf Borkum und sammelt Berichte zu Heimen.

Ihnen ist das Denkmal zu verdanken (von links): Bildhauer und Verschickungskind Friedhelm Welge, Pastor Schulze (ev- lutherische Kirchengemeinde Borkum), Silke Ottersbach und Uwe Rüddenklau von der Borkum-Austauschgruppe / Foto: Stefan Müller

Erinnern und Anerkennen

Mit der Einweihung der ersten öffentlichen Erinnerungsskulptur für Verschickungskinder wurde ein dauerhafter Ort geschaffen, an dem die oft belastenden Erlebnisse von Kindern, die in Heime und Kurmaßnahmen geschickt wurden, öffentlich wahrgenommen werden.

Das Schicksal der Verschickungskinder aus NRW Die Buchautorin Regina Konstantinidis liest aus ihrem autobiografischen Werk „Verschickt – Verdrängt – Vergessen“, das sich mit einem lange tabuisierten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte auseinandersetzt: den sogenannten Kinderverschickungen. Zwischen 1950 und 1990 wurden Kinder millionenfach in sogenannte Kinderkurheime zur Erholung verschickt. Allein 1,8 Millionen aus und nach Nordrhein-Westfalen. Statt gesund, kamen […]

Anmerkungen der Borkum-Austauschgruppe zum Adolfinenheim Das Adolfinenheim war mit seinen 250 Betten das zweitgrößte Kinderkurheim auf Borkum, ist durch seine lange Existenz – von 1921 bis 1996 – das Heim mit der längsten Geschichte auf Borkum. Dazu schreibt Regina Konstantinids von der Borkum-Austauschgrupppe: „Es gibt eine umfangreiche Aktenlage im Pfarrbüro Borkum als auch in den […]

Die ostfriesische Insel Borkum ist als beliebter Urlaubsort bekannt. Für viele ehemalige Verschickungskinder hingegen ist sie bis heute ein Ort des Grauens, der mit Erholung nichts zu tun hat. Tief sitzen die Erinnerungen an Zwang und Gewalt, die sie in den Kurheimen der Insel als schutzbedürftige Kinder erlebten. In ihrer Studie kommt das Team der […]

Wie alles begann: Initiative eines Betroffenen: Der Brief an den Bürgermeister Das Erinnerungsdenkmal für Verschickungskinder auf Borkum geht auf die Initiative eines ehemaligen Betroffenen zurück. Hans-Georg Bierbass war lange Vorstandsmitglied in unserer NRW-Initiative. In einem Schreiben an den Bürgermeister schilderte er seine Erfahrungen aus einem Heimaufenthalt im Jahr 1972 und bat um eine öffentliche Auseinandersetzung […]

Positive Erinnerung eines Verschickungskindes Uns erreichte vor einiger Zeit die E-Mail eines Betroffenen, der von positiven Erfahrungen im Haus Tüskendör berichtete. Zu seinem Aufenthalt schrieb er: „Ich erinnere mich immer noch gern an die beiden Aufenthalte. Das mag u. a. folgende Gründe haben: Anlass für die Aufenthalte war mein starkes Asthma, unter dem ich als […]

Von Regina Konstantinidis | Stand: Januar 2026 Anfänge der Heimortkoordination Borkum und erste Vernetzung seit 2019 Zu Beginn der Initiative Verschickungskinder übernahm 2019 Andrea E. als Erste die Heimortkoordination (HOK) Borkum. Regina und weitere fünf Betroffene meldeten sich bei ihr. Man tauschte sich per Mail über die Erfahrungen, die während der Verschickung auf Borkum gemacht […]

Das Schicksal der Verschickungskinder aus NRW Die Buchautorin Regina Konstantinidis liest aus ihrem autobiografischen Werk „Verschickt – Verdrängt – Vergessen“, das sich mit einem lange tabuisierten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte auseinandersetzt: den sogenannten Kinderverschickungen. Zwischen 1950 und 1990 wurden Kinder millionenfach in sogenannte Kinderkurheime zur Erholung verschickt. Allein 1,8 Millionen aus und nach Nordrhein-Westfalen. Statt gesund, kamen […]

Von Silke Ottersbach Ein historischer Tag für Verschickungskinder in Deutschland Am 30. Juli 2025 war es so weit: Nach Jahren der Gespräche, Rückschläge und unermüdlicher Arbeit haben wir auf Borkum die erste Erinnerungsskulptur für Verschickungskinder in einem deutschen Inselkurort am Meer eingeweiht. Für mich als ehemaliges Verschickungskind war dieser Tag nicht nur ein Meilenstein, sondern […]

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