26548 Norderney, 1962

...in einen Lattenrost Keller gesperrt - es war dunkel und eiskalt

Von: Ch.T.

Name des Trägers: AWO
Kostenträger: AOK

Zeitpunkt der Verschickung: Januar bis 15.2.1962 oder 16.2.
Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: Ich war 4 Jahre und 8 Monate und wurde mit der rumpelnden Eisenbahn und einem Schiff weggebracht, das Heim ist auf der Viktoriastr. 1 sieht heute noch ähnlich aus.
Was genau alles passiert ist weiß ich nicht. Das erste Essen war was grünes mir Speck- ich könnte es nicht essen und wurde mit einem Jungen vom Tisch gezogen-eine steile dunkle Treppe runter -jeder in einen Lattenrost Keller gesperrt – es war dunkel und eiskalt.
Ich könnte nicht richtig stillsitzen (Rheuma) uns still liegen – immer alle in eine Richtung- dürfte nicht aufs Klo und hab eingenässt.
Wir wurden zum Duschen unter sehr kalte duschen getrieben (solche Duschräume hab ich in Filmen über KZ wiedererkannt)
Ich hatte Mumps und war tagelang in einem Zimmer eingesperrt- könnte aber vom Fenster die Kinder am Strand sehen, wenn ich beim Aufstehen erwischt wurde gab’s haue.
Ich kam mit der letzten Fähre vor der Hamburger Sturmflut auf’s Festland- wir fielen kreuz und quer über das kofferdeck unten und jeder hat erbrochen..
Der Name Norderney war für mich immer mit Horror verbunden- ich wusste aber nie warum.
Vor einigen Jahren hab ich meine Mutter darauf angesprochen- sie war entsetzt…und sagte ” warum hast du denn nie was gesagt”
Aber ich habe meinen Eltern nie was erzählt- eigentlich keinem je was erzählt.
Es gibt keinerlei Postkarten-Arztberichte o.ä. von der Zeit.
Meine Mutter war zur gleichen Zeit im Krankenhaus mit OP

Immer schon ist mir kalt- hab Rheuma u.v.m. – Polyneuropathie- war immer kontaktscheu- verschlossen – u.v.m

Anonymisierungs-ID: afh