57334 Bad Laasphe, Provinzial Kinderheim, 1950

Weigerten sie sich, wurden sie mit dem Teller stundenlang allein in ein dunkles Zimmer gesperrt

26571 Juist, Kinderkurheim Günther, 1949

Von: M.

Geboren am 5.1.39 als M., kam ich aufgrund meiner Unterernährung zur Kur. Mein erster Kuraufenthalt war 1949 auf der Insel Juist im Kinderheim Günther. An diese Zeit der sechswöchigen  Kur erinnere ich mich mit Freude zurück. Für mich war es eine wunderschöne Zeit.

1950 kam ich nach einer Schiefhalsoperation und langem Krankenhausaufenthalt nach Bad Lassphe in das Provinzial Kinderheim. Diesen Aufenthalt habe ich in sehr schlimmer Erinnerung. Miterleben musste ich, wie Kinder gequält wurden: viele Kinder wurden vollgestopft mit Essen (z.B. Milchsuppe mit dicken Nudeln). Erbrachen sie, mussten sie das Erbrochene erneut essen. Weigerten sie sich, wurden sie mit dem Teller stundenlang allein in ein dunkles Zimmer gesperrt. Kinder, die sich in die Hose machten, wurden separiert und bestraft. Die Schreie hörten wir anderen Kinder. Post wurde grundsätzlich kontrolliert und bei Nichtgefallen nicht abgeschickt. Bei meiner Ankunft im Haus musste ich mein Bett selbst beziehen. Aus dem Kopfkissen fielen Federn. Mit der Begründung, ich habe es zerstört, verweigerte mir man sechs Wochen ein Kopfkissen. Mittagsruhe musste im Bett verbracht werden. Mädchen in meinem damaligen Alter schliefen mittags nicht mehr. Ich fiel einmal auf durch Kichern. Es führte dazu, dass man mich komplett, inklusive Kopf, in eine dicke Decke wickelte. Damit musste ich die ganze Ruhezeit stehend in der Mitte des Raumes verbringen. Ich erinnere mich heute noch an die Atemnot. Vieles habe ich vergessen oder verdrängt.

Verantwortlich für die Zustände war die damalige Heimleiterin. Als diese Frau einmal für ein paar Tage nicht anwesend war, haben sich die Erzieherinnen den Kindern gegenüber sehr positiv verhalten.

Ich hoffe, dass meine Zeilen dazu beitragen, die Verfehlungen in Kinderheimen aufzuklären.

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