32760 Berlebeck, 1968

Keiner hat getröstet

Von: D.B.

Name des Trägers:
Kostenträger:
Verschickungsort: Berlebeck
Zeitpunkt der Verschickung: ca.1968
Dauer der Verschickung: 6 Wochen

Auf Anordnung vom Gesundheitsamt Menden, sollte, da ich schmächtig war, in die Kur. Ich weiß, dass ich allein im Zug saß und traurig war. Meine Mutter hatte eine schwere OP vor sich. Ich kann mich nur an einige Erlebnisse erinnern.
Alles aufessen, eiskalte Milch zum Trinken. Hat jemand erbrochen und man musste lachen, gab es die eiskalte Milch. Man hat gehofft nicht zu kotzen. Den dicken schwarzen Schlauch und den Bock werde ich auch nicht vergessen. Dann kam der kalte Wasserstrahl. Nannte sich Kur nach Kneipp. Der Raum für die Mittagsruhe war muffig mit Turnmatte, wenn die Lampe ausging sollte Ruhe sein. Einer hat erzählt, dann kam die schwarzgekleidete Frau, riss ihm aus dem Etagenbett an einem Arm.
Er war ein blonder Brillenträger. Nur nicht ins dunkle Zimmer flehte er, ich habe noch 5 Mark. Geld wurde angenommen und er durfte bleiben. Ich hatte eine Erzieherin, die hat eine Karte an meine Eltern verfasst, ist dann, weil sie nett zu mir war, was man in den Sechzigern so als nett empfunden hat, von der Leitung ermahnt worden. Der alte Baum steht noch heute auf dem Gelände. Ich war allein, meine Mama wurde operiert. Ich habe unter diesem Baum für meine Mama gebetet und geweint. Keiner hat getröstet. Auf dem Weg zum Gebäude wurde ich von ein paar Jahren älteren Kurteilnehmern als Weichei, Haltung bewahren in die Magengrube geboxt, anschließend ging die Hand an den Kehlkopf, so zur Warnung .

Anonymisierungs-ID: afx