37691 Boffzen

Einmal wurde ich für 24 Stunden in ein kleines Zimmer eingesperrt.


Von: F.Sch.
…Nun zu Verschickung, ich war ca. 6 Jahr jung, relativ groß aber dünn. Kinder
nannten mich “Poo” wie der längste Fluss in Italien, damit musste ich Leben. Was zur
Verschickung führte kann ich nicht sagen, nur so viel, ich glaube mein Erzeuger war
froh die Bude frei zu haben.
Was mich erschrak, war die Nonne, die einer anderen Frau in Kutte mich
anvertraute. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Im Zug, nachdem dieser abfuhr
zog diese die Kutte aus und stopfte diese in einen Beutel oder Tasche. Nun war sie
nicht mehr die, die ich zuvor wahrgenommen hatte. In Boffzen angekommen wurden
wir eingewiesen, so genau kann ich mich nicht mehr erinnern.
Es sind nur noch Schlüsselerlebnisse an die ich mich ungerne erinnere. Das Kinder
beim Essen von Schleimsuppe erbrachen, daran kann ich mich sehr wohl erinnern.
Auch das diese die Suppe aufessen mussten.
Einmal entfleuchte mir ein Pubs, konnte nichts dafür. Auf einmal schrie eine
Aufseherin, wer war das. Ich war steif vor Angst, dann beschnüffelt diese Person
uns, bis sie mich ausfindig machte. Danach musste ich eine Stunde auf den kalten
Flur mit dem Gesicht zur Wand stehen. Einmal wurde ich für 24 Stunden
in ein kleines Zimmer eingesperrt. Es war ein Dachboden und nur einmal gab mir
eine männliche Person was zu essen und zu trinken. In der Nacht hatte ich große
Angst, zumal irgendwo zwei Eulen oder Uhus saßen die mich mit ihren Geräuschen
ängstigten. 6 Wochen hatte ich so ein Heimweh und als ich dann endlich heim kam
wollte ich nicht auf den Arm meiner Mutter. Die Frau, die mich auf den Arm hatte
wollte mich zurückgeben.
Ich weiß noch, wie ich schrie und das nicht wollte. Meine Mutter war entsetzt und
konnte das nicht verstehen. In der Anlage habe ich meine Butterbrottasche
fotografiert, darin war damals das Bütterchen enthalten. Es war das einzige was ich
als Andenken und Mitbringsel hatte. Gegessen hatte ich das Butterbrot nicht, es
sollte mir ja irgendwie Halt geben. Nach ein paar Tagen wurde das schimmelige Brot
aus dieser Tasche genommen. Ich war zutiefst traurig, nichts hatte ich mehr von
meiner Mutter. Als ich 18 Jahre alt war gestand meine Mutter ihren größten Fehler
gemacht zu haben.
Wenn sie das geahnt hätte, niemals hätte sie zugestimmt. Aber weil es ja von der
Kath. Kirche empfohlen wurde, glaubte man an das Gute. Irgendwann trat ich aus
der Kirche aus, aber dennoch bin ich ein sehr gläubiger Mensch. Gott hat mich bis
heute nicht verlassen.
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