49214 Bad Rothenfelde, 1955

Zur Strafe musste ich auf der Treppenstufe auf einem harten Teppich knien und die Schlafanzugshose hochkrempeln.

Von: H.N.


Name des Trägers:
Kostenträger: DAK

Verschickungsort: Bad Rothenfelde
Zeitpunkt der Verschickung: Februar 1955
Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: Ich bin 1949 geboren und lebte mit meinen Eltern in Münster. Im Februar wurde ich aus Gesundheitsgrünen nach Bad Rothenfelde zur Erholung gebracht. Den Namen des Heims kenne ich leider nicht. Ich kann mich jedoch trotz meiner fünf Jahre an viele Einzelheiten erinnern.
Die Schlafräume lagen im ersten Stock. Alle Kinder gingen abends angefasst die Treppe herauf und sangen: Nun fasst euch an, nun fasst euch an, wir fahren mit der Eisenbahn … Das Lied habe ich bis heute behalten.
Eines Nachts habe ich sehr gehustet. Zur Strafe musste ich auf der Treppenstufe auf einem harten Teppich knien und die Schlafanzugshose hochkrempeln. Es wurde nicht erkannt, dass ich an Keuchhusten erkrankt war.
Tagsüber musste ich als Strafe immer den Schlitten ziehen. Im Speisesaal wurde ich vermutlich aufgrund des Keuchhustens isoliert platziert. Als ich mich einmal übergeben habe, wurde mir das Erbrochene wieder eingefüttert.
Als meine Mutter mich abholen wollte, wurde ihr nahegelegt, in einer Woche wieder zu kommen, da ich mich noch nicht vollständig erholt habe. Meine Mutter war misstrauisch und holte mich dann am nächsten Tag ab. Zu Hause wurde dann festgestellt, dass ich mit Keuchhusten an einer schweren Lungenentzündung lebensgefährlich erkrankt war.
Die Erinnerungen sind mir heute noch gegenwärtig.


Anonymisierungs-ID: afq