59505 Bad Sassendorf, 1946

Er würde einen weiteren Aufenthalt dort nicht überleben.

Von: M.G.

Mein Bruder wurde wegen seines Asthmas nach Bad Sassendorf geschickt. Wir wohnten damals in Senne II, heute Sennestadt, einem Dorf nahe Bielefeld. Nach einer Woche rief eine Lernschwester beim Arbeitgeber meines Vaters an.  Wir sollten das Kind Manfred sofort abholen. Er würde einen weiteren Aufenthalt dort nicht überleben. Der Chef meines Vaters hat seinen Firmenwagen mit Fahrer zur Verfügung gestellt Meine Eltern sind sofort nach Bad Sassendorf gefahren. Mein Bruder hatte eine schwere Lungenentzündung und hatte durch sein Asthma extreme Luftnot. Laut der jungen Schwester wurden die Kinder vom Schlafhaus über den Hof getragen ins Solebad. Dort verbrachten sie eine Zeit in einem Warmbad und wurden dann wieder über den Hof ins Schlafhaus getragen. Mein Bruder hat sehr viel geweint. Mit einer Postkarte, mit selbst gemalten Bildchen, und der Zusage, dass alles in Ordnung ist, wurden meine Eltern beruhigt. Da es in unserem Dorf keinen Kinderarzt gab, fuhr meine Mutter mit dem Fahrrad und dem totkranken Kind zum Kinderarzt. Der kannte seinen kleinen Patienten ja schon und hat sich liebevoll bemüht, ihn wieder gesund zu machen. Asthma hat meinen Bruder sein ganzes Leben begleitet. Er hat sehr spät geheiratet. Seine Tochter hat leider das Asthma geerbt. Kommt aber ganz gut zurecht. Mein Bruder ist vor 19 Jahren gestorben. An Bauchspeicheldrüsenkrebs. Meine Schwägerin, zu der ich immer noch ein gutes Verhältnis habe, hat nie von ihrem Mann über die Vorfälle in Bad Sassenberg gehört. Ich bin damit einverstanden, dass diese Zeilen für Ihre Nachforschungen benutzt werden dürfen.

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