59505 Bad Sassendorf, 1962, 34385 Bad Karlshafen, 1965

1965 (9 Jahre alt) zu meinem persönlichen Horror, wurde ich erneut verschickt ….

Von: F.M.

Erlebnisbericht Kinderverschickung

Sehr geehrte Damen und Herrn

Auch ich habe keine guten Erinnerungen an diese Kinderverschickungen.

Chronologische Abweichungen sind möglich und Beweise kann ich leider auch nicht vorlegen.

Zum Zeitpunkt der Verschickungen hatte ich dieselbe Adresse wie heute, da es sich um mein Elternhaus handelt.

Meiner Erinnerung nach wurde ich 1962 (6 Jahre alt) per Dampfzug mit Papierzettel um den Hals von Köln nach Bad Sassendorf in ein Kinderheim verschickt.

Sexuelle Nötigung habe ich nicht erlebt.

Ungehorsam wurde mit Härte bestraft, habe mehrmals 3 bis 4 Stunden vor meinem vollen Teller mit Essen sitzen müssen, weil ich es nicht mochte, einmal wurde ich sogar mit dem Gesicht ins Essen gedrückt.

Wenn man in deren Augen ungehorsam war, wurde man mit Bett, in einen Art Lagerraum ohne Tageslicht mit anderen ungezogenen Kindern und auch sogenannte Bettnässer für mehrere Tage einquartiert, meiner Erinnerung nach waren wir in dem Raum zu 8 Kinder, die Betten standen kreuz und quer.

In der Nacht war kaum an schlafen zudenken, zu einem war es für einen persönlich die bedrohliche Kulisse mit Regalen in diesem Raum fürchterlich, alle 2 Stunden wurden die Bettnässer geweckt wozu die volle Neonbeleuchtung eingeschaltet wurde, zum anderen lies das Weinen der anderen Kinder und von mir selbst, kaum eine Chance einen richtig zu Ruhe kommen zulassen.

Am nächsten Tag war man übermüdet und unaufmerksam was wieder irgendwelche Bestrafung nach sich zog, wie Stubenarrest im diesem Lagerraum.

Insbesondere ist mir in Erinnerung geblieben, dass die im Kinderheim anwesenden Nonnen sich durch besondere Härte auszeichneten, vielleicht wurde das Heim sogar von den Nonnen geleitet.

Nach meiner Rückkehr zuhause wollten meine Eltern von den Ereignissen nichts wissen, da Nonnen sowas nicht machen.

1965 (9 Jahre alt) zu meinem persönlichen Horror, wurde ich erneut Verschickt und zwar nach Bad Karlshafen, die dortigen Erlebnisse waren scheinbar weniger schlimm, oder ich habe sie total ausgeblendet.

Parallel dazu kamen die Grundschulerlebnisse im Religionsunterricht, wo der unterrichtende Katholische Pfarrer sich nicht als Menschenfreund auszeichnete, hin und wieder bekam man seinen Siegelring oder ähnliches zu schmecken.

Diese Erlebnisse und Politische Reifung bewogen mich 1974 (18 Jahre alt) aus der Kirche auszutreten.

Die Ereignisse von damals habe ich über Jahre verdrängt bis 2015, als ich von der Rentenversicherung in eine Reha Maßnahme geschickt wurde, nämlich nach Bad Sassendorf, da dachte „ja Super“.

Hätte nicht gedacht das die Erlebnisse von 1962 so tief verborgen noch in mir schlummerten, sofort kamen die Erinnerungen von 1962 teilweise wieder hoch, das ging so weit das ich diese Reha Verweigerern wollte, was gar nicht so einfach von meiner Begründung her gewesen wäre.

Letztendlich habe ich die Reha in Bad Sassendorf angetreten als eine Art persönliche Vergangenheitsbewältigung.

Wenn ich früher von Bekannten angesprochen wurde weshalb ich aus der Kirche ausgetreten bin, habe ich oben angeführten Erlebnissen dargelegt. Kaum einer schenkte einem Glauben.

Erst die letzten Jahre wo die Missbrauchsfälle bekannt gemacht wurden, ändert sich das Meinungsbild der Mitmenschen.

Mit Freundlichen Grüßen

Anonymisierungs-ID: abl