66539 Neunkirchen/Saarland, 1966

Es war unerträglich und wie Folter

88175 Scheidegg, 1968

Von: U.St.

Hallo,

Auch ich möchte zur Aufklärung beitragen.

Leider hat es mich in meiner Kindheit gleich zweimal getroffen. Ich musste lange, traumatische Wochen in zwei Einrichtungen erleben.

1. Mal im Oktober/November 1966 für 7 1/2 w

Wochen im Kindersanatorium Haus Furpach in Neunkirchen/Saarland

2. Mal im Juli/August 1968 für 6 Wochen im Kindererholungsheim Haus Bergfreude in Scheidegg/Allgäu von der evangelischen Kirche.

Beide Aufenthalte geprägt von Dauerängsten, die uns Kinder aufs Ääußerste eingeschüchtert und nachhaltig verändert haben. Nur durch Verdrängung kann man es nicht verarbeiten. Ein Kind sucht immer die Schuld bei sich. Nach meinem Aufenthalt in Scheidegg habe ich meinen Eltern von den Zuständen erzählt und sie haben, soviel ich weiß, Kontakt zu Fürsorgestellen aufgenommen. Ich musste das Erlebte einer Fürsorgering erzählen. Sie soll meinen Eltern später berichtet haben, dass das Heim geschlossen wurde.

Beim ersten Mal in Neunkirchen sollte eine Wirbelsäulenverkrümmung behandelt werden.

Es war ein sehr großes Haus und schon kleine Kinder von 4 Jahren waren dort. Ich war 11 Jahre und die älteste von 3 Schwestern. Ich war es gewohnt, mich unauffällig zu verhalten. Die Erniedrigungen und Qualen, der würdelose Umgang und den täglichen unvorstellbare Drill habe ich bis heute nicht vergessen.

Sport bis zum Umfallen, ich würde täglich für 20 Minuten am Hals auf einer schrägen Liege aufgehängt.

Es war unerträglich und wie Folter. Leider habe ich davon einen Schäden im Halswirbelbereich zurückbehalten, an der ich mein ganzes Leben leiden musste.

Es haben in den ganzen Wochen immer Kinder nach ihrer Mutter gerufen, geschrieben, geweint….

Standen am Morgen mit ihrem nassen Bettzeug vor dem Waschraum….

Es gab nur herzlose Betreuer, ich kann mich an keine nette Geste erinnern

Ich habe mich vom ersten bis zum letzten Tag hilflos ausgeliefert gefühlt. Ich war wie gesagt schon 11 Jahre. Wie mögen sich die kleineren Kinder gefühlt haben?

Wenn wir unseren Eltern einen Brief schreiben wollten, würde uns gesagt, dass wir nur Schönes schreiben sollen, sonst wird er nicht abgeschickt.

Ich glaube, es reicht erstmal – ich könnte noch sooo unendlich viel schreiben, aber die Geschichten die Ihnen berichtet werden, sind sicher immer gleich.

Diese 13,5 Wochen haben mich geprägt. Ich würde meinen, etwas verschlossen, was mich persönlich betrifft.

Meinen Eltern bin ich nie böse gewesen, sie haben es gut mit mir gemeint

Anonymisierungs-ID: aet