79848 Bonndorf, 1966 und 1969

Nach meinem ersten Aufenthalt in Bonndorf hab ich wieder eingenässt.


Von: E.H.
1966 war ich im Alter von 4 Jahren für 6 Wochen und 1969 mit 7 Jahren für 8
Wochen in Bonndorf im Haus Waldfrieden, zur Kur.
Bisher dachte ich dies war eine schöne Zeit, obwohl ich so gut wie keine
Erinnerungen habe.
Sie beschränken sich auf folgende Bilder, die allerdings sehr konkret sind:
Ich blicke in einen Speisesaal, in dem Kinder Faria, faria, ho singen.
Eigentlich müsste ich doch Teil dieses Geschehens sein…Mit den Mahlzeiten
verbinde ich Hagebutten Tee.
Ein Päckchen mit einer Umhängetasche und Süßigkeiten von meiner Oma durfte ich
öffnen, aber der Inhalt wurde verteilt und ich war sehr traurig.
Bis heute, ich bin 60 Jahre alt, bin ich sehr großzügig, verteile und verschenke
ständig alles.
Außerdem habe ich, wenn ich an die Kur denke, sofort ein Bild von einem ganz
bestimmten weinenden Mädchen im Kopf, das mich seit Jahrzehnten verfolgt.
Böse.
Die Bedeutung dessen?
Auch ich hatte in meinem Leben viele Schwierigkeiten.
Über Jahre war ich wegen Panikattacken in Therapie.
Oft hab ich mir die Frage gestellt, ob es in meiner Kindheit sexuelle Übergriffe gab,
die ich verdrängt habe.
Nie und nimmer hätte ich all das mit dem Kuraufenthalt in Verbindung gebracht.
Die übliche Post, die anscheinend von überall verschickt wurde, besitze ich auch.
Meine Eltern berufen sich auf diese Briefe und Karten, in denen ja schließlich steht,
dass alles in Ordnung ist.
Nach meinem ersten Aufenthalt in Bonndorf hab ich wieder eingenässt, daran kann
ich mich gut erinnern.
Wie so viele andere, wüsste ich gerne, ob der Ursprung allen Übels in der Kur liegt.
Berichte aus dem Haus Waldfriede in Bonndorf, gibt es leider nur sehr wenige.
Kontakt zu A. Sch. habe ich schon aufgenommen.
Anonymisierungs-ID: aca