Von: R.S.
Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: Ich muss vorbemerken, dass ich eine sehr liebe Gruppenleiterin hatte. Andere hatten nicht so viel Glück!
Was fand ich besonders schlimm:
– zum Mittagsschlaf mussten wir uns die benutze Stoffserviette um die Augen binden;
– Reden während der Ruhe- und Bettgehzeiten war strengstens verboten; bei Nichtbefolgen wurde man stundenlag in die Ecke gestellt oder man (ich) musste die Nacht in einem unbenutzten Zimmer alleine auf der unbezogenen Matratze verbringen
– der Briefkontakt zu den Eltern wurde streng zensiert – Briefe mit Beschwerden oder Klagen mussten neu geschrieben werden oder wurden gar nicht erst abgeschickt. (Ich habe heimlich geschriebene Karten in der Unterwäsche versteckt und während der Spaziergänge in den Briefkasten geworfen.
Beim Mittagessen konnte ich sehen, dass andere Kinder ihr erbrochenes Essen wieder aufessen mussten. Bei Widerstand saßen sie so lange da bis alles gegessen war.
Besonders schlimm fand ich die gestrenge und herzlose Oberin. Als wir als Gruppe nicht brav genug waren, mussten wir einen Brief an unsere Eltern schreiben mit all den „Verfehlungen“, die wir begangen hatten. Kurz vor Ende der Zeit mussten wir einzeln vor ihr erscheinen, bekamen den Brief vorgelegt mit den Worten „Ich habe noch einem Gnade vor Recht ergehen lassen.“ Dass wir die ganze Zeit eine Heidenangst vor der Heimfahrt hatten, war wohl als „pädagogische“ Strafe gemeint!
Ich hätte niemals in meinem Leben meine Kinder zur „Erholung“ weggegeben!!
Anonymisierungs-ID: auc
Datum: 10. September 2025
Zeit: 21:07