25946 Amrum 1959

Auch ich wurde auf Amrum wegen Nichtigkeiten ins Gesicht geschlagen ..

von L.

Ich bin 67 Jahre alt und wurde 1959, als Sechsjähriger, wegen chronischer Bronchitis auf die Nordseeinsel Amrum verschickt.

Der Ort war Wittdün, das Heim nannte sich “Haus Erika”. Den äußerst fragwürdigen Umgang mit den Kindern – Schläge, Essenszwang usw. kann ich auch für dieses Heim bestätigen. Überrascht hat mich die hohe Zahl an Verschickungskindern in dieser Zeit, wie von Ihnen berichtet. Dies war mir bis dato nicht bekannt.

Nun frage ich mich, was man nach dieser langen Zeit noch tun kann, außer lamentieren…  Wie in der TV-Sendung schon angeklungen ist, sind wohl die meisten der damaligen Heimleiter und “Betreuerinnen” schon verstorben.

Es wurde von Ihnen auch erwähnt, dass es in den 50er- und 60er-Jahren durchaus üblich war, Kinder wegen Kleinigkeiten zu verprügeln. Auch ich wurde auf Amrum wegen Nichtigkeiten ins Gesicht geschlagen oder mit einem sogenannten “Gesundheitslatschen” (aus Holz) auf den nackten Hintern gedroschen, sodass ich nicht mehr sitzen konnte. Zwei Jahre später, als Achtjähriger, wurde ich in der Schule von einem Lehrer, einem Alt-Nazi, mit der Faust [sic] dermaßen geprügelt, dass mein ganzer Rücken von Hämatomen bedeckt war. Die Beschwerde meiner Mutter beim Rektor hatte keinerlei Folgen für diesen Lehrer.

Der damalige “Zeitgeist” scheint Gewalt gegen Kinder bis zum heutigen Tag zu rechtfertigen. Was bleibt, ist das Gefühl von Hilflosigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Anonymisierungs-ID: aaj