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Sabine Ludwig an zwei Tagen in Köln

© Roman Stricker

Sabine Ludwig im Literaturhaus Köln

17.10.2023.

Am Dienstagabend las Sabine Ludwig für uns aus ihrem Roman “Schwarze Häuser” vor. Das Literaturhaus öffnet in diesem Herbst seine Türen für gesellschaftlich relevante Themen.

Die renommierte Kinder- und Jugendbuchautorin Sabine Ludwig war extra aus Berlin angereist, um für uns aus ihrem Buch “Schwarze Häuser” zu lesen. Es ist das persönlichste Werk der Schriftstellerin. Die 69-jährige Autorin wurde selbst zweimal als Kind verschickt – das erste Mal mit sechs Jahren und das zweite Mal mit zehn Jahren. Sie hatte sogar ein Originaldokument aus ihrer zweiten Verschickung dabei: der erste Brief an ihre Eltern. In dem mitgebrachten Brief konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer auch sehen, warum Ludwigs Buch “Schwarze Häuser” heißt. Die Tinte war an einigen Stellen  von Tränen verschmiert. Das Essen während ihrer ersten Verschickung hat sie zur Vegetarierin gemacht. Bei der zweiten Verschickung hatte sie daher ein Käsebrot dabei. Das wurde auf der Anreise jedoch eingesammelt und alle Brote wurden neu verteilt. Jedes Kind musste ein Brot aus dem Korb ziehen, und die kleine Sabine erwischte ein Leberwurstbrot.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich sechs Wochen lang durchgeheult.

Sabine Ludwig, Foto: R. Stricker
Sabine Ludwigs erster Brief aus ihrer zweiten Verschickung / Foto: M.Stricker
Tränen haben an einigen Stellen die Tinte aufgelöst / Foto: M.Stricker

Ich hatte mit meinen Eltern vereinbart, dass ich bunte Häuser male, wenn es mir gut geht, und schwarze Häuser, wenn es mir schlecht geht. In all meinen Briefen gab es nur schwarze Häuser. Wie viel mir während der Verschickung angetan wurde, ist mir erst bewusst geworden als meine eigene Tochter sechs Jahre alt war.

Sabines Schwarzes Haus mit Kommentar der Heimleitung

Ein berührender Abend im Literaturhaus

Es waren über 20 interessierte Besucherinnen und Besucher anwesend, sowohl ältere als auch jüngere Menschen, einige von ihnen waren selbst verschickt. Es gab auch Menschen, die zum ersten Mal von diesem Thema hörten, aber alle versammelten sich auf Augenhöhe, mit Verständnis und Toleranz.

Sabine Ludwig beeindruckte das Publikum mit ihrem fesselnden Vortrag. Eine Besucherin äußerte sich begeistert: “Es ist so toll, wie gut diese Frau lesen kann. Sehr beeindruckend.” Neben den vorbereiteten Passagen entstanden viele angeregte Diskussionen. Die Autorin freute sich besonders darüber, dass das Thema der Kinderverschickung endlich öffentlich diskutiert wird. Schon 1984 hatte sie einen einstündigen Radiobeitrag über ihre eigenen Erfahrungen in der Verschickung gemacht. Normalerweise erhielt sie zu jedem Thema viele Leserbriefe, aber zu ihrer Verschickungsgeschichte gab es damals nur einen einzigen Leserbrief. Nur ein Zuhörer gab an, etwas Ähnliches erlebt zu haben.

Zwei begeisterte Gäste sagten nach der Lesung: 

„Es war ein bewegender Abend. Viele Menschen haben sich eingebracht, und es gab viele interessante Gespräche.“ 

„Eine nachhaltige Lesung, und ein feiner Einblick in ein vielerlei Hinsicht großartiges Projekt hier in NRW.“

Foto: R. Stricker

Wir hatten eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre. Es hat mich sehr berührt, wie sich alle geöffnet, Privates von sich Preis gegeben und ihre persönlichen Geschichten geteilt haben.

Sabines Schwarzes Haus mit Kommentar der Heimleitung
Sabine Ludwig / Foto R. Stricker

Sabine Ludwig im Albertus-Magnus-Gymnasium

18.10.2023

Köln-Neuehrenfeld, 18.10.2023. Am nächsten Morgen wurde es voll. Sabine Ludwig las vor 200 Schüler:innen in der Aula des Kölner Albertus-Magnus-Gymnasiums. Eines ihrer Bücher bzw. dessen Verfilmung war allen Sechstklässler:innen bekannt: “Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“. Vom Thema Kinderverschickung hörten sie an diesem Tag zum ersten Mal. Sabine Ludwig, die ursprünglich Lehrerin werden wollte, begann ihre Lesung erst einmal ohne große Vorerklärung zum Thema.

Nach dem Vortrag einiger besonders eindrücklicher Passagen fragte sie die Schüler:innen: „Warum denkt ihr, habe ich das Buch geschrieben?“

Die Finger gingen in die Höhe, und eine Schülerin fragte: „Bist du ein Kind aus dem Buch?“

Ludwig antwortete: „Es ist meine eigene Geschichte. Ja, mir ist das alles selbst als Kind passiert.“

Ein gebanntes Schweigen breitete sich aus, und keines der 200 Kinder im Raum machte einen Mucks. Ein absoluter Gänsehaut-Moment. Von dieser Sekunde an lauschten alle 200 Kinder gespannt jedem Wort der Autorin.

Nach Ludwigs Lesung stellten die Schüler:innen viele, viele Fragen. Am Ende ihres Besuchs  war Sabine Ludwig zwar erschöpft, aber

Es hat sich gelohnt.

Sabines Schwarzes Haus mit Kommentar der Heimleitung
Sabine Ludwig / Foto:M. Stricker

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