83471 Berchtesgaden, 1964

Traumhafte Natur mit Kampf ums Fleischessen

Von: T.Z.

Zwei Jahre nach Borkum stand schon wieder eine Verschickung an. Ich sollte wiederum für sechs Wochen diesmal nach Berchtesgaden. (Anmerkung der Redaktion: 1959 auf Amrum ins DRK-Kindererholungsheim Wittdün, 1962 auf Borkum ins Kinderheim Strandnelke).

Auch dorthin wollte ich eingedenk der vor-vorherigen unangenehmen Amrum-Erfahrungen dennoch wieder nicht fahren. 

Unser Vater meinte dazu nur, er wäre froh, wenn er sechs Wochen in diese schöne Gegend fahren könnte. 

Damit hat er zwar alle Risiken, die damals mit der Verschickung für die betroffenen Kinder offensichtlich verbunden waren, geflissentlich – bewusst oder unbewusst – ignoriert, aber im Nachhinein besehen hat er Recht gehabt. 

In erster Linie habe ich nämlich in Berchtesgaden meine Liebe für die Berge entdeckt. 

Wir haben viele Ausflüge gemacht u. a. zur Reiteralpe, zur Eiskapelle (Gletscher-Kirche am Watzmann): https://www.br.de/nachrichten/bayern/eiskapelle-am-watzmann-eingestuerzt-bedeutung-fuer-bayern,UwNlhiT , viele Berg-, Wander- und Gaudi-Lieder aus der „Mundorgel“ gesungen, eine Film-Dokumentation über die Steinadler in den Alpen gesehen, und das schöne alte Haus mit Stallung und Gesindehaus, in dem wir untergebracht waren, stand ja selber in einem wunderschönen 20.000 m² großen Park mit alten Bäumen und großem Weiher mit tausenden von jungen Fröschen. Mittlerweile ist es ein Landschaftsschutzgebiet, wie ich in dem Buch über den „Alltag der Verschickungskinder“ jetzt lesen konnte, das ich als Anerkennung für meine Mitarbeit beim Interview mit Frau Silberzahn-Jandt kürzlich erhalten habe. 

In diesem Buch habe ich auch ein Foto gefunden, das exakt den Blick wiedergibt, den ich jeden Morgen aus dem Fenster unseres Schlafraumes auf das herrliche Panorama der Berchtesgadener Alpen hatte. Mir ist ganz warm um´s  Herz geworden.

Und das tollste Erlebnis für mich war, als eines Morgens alle Bergspitzen vom Hohen Göll über den Jenner bis zum Obersalzberg verschneit waren (und das im Hochsommer!).

Wieder zuhause habe ich geschwärmt von alldem und insbesondere auch von den vielen Viehweiden mit den Zäunen aus Holz-Schwartlingen, aus ebensolchen dann unser hölzernes Terrassen-Geländer geworden ist. 

Von der traumhaft schönen Natur dort, war ich also ungemein inspiriert – und bin es bis heute. 

Der tägliche Kampf um´s  Fleischessen war zwar auch wieder sehr nervig, ist aber hinter all´ dem Positiven eher zurückgetreten. 

Anonymisierungs-ID: awu

Newsletter-Anmeldung

SPENDEN

Vielen Dank, dass Sie sich für eine Spende interessieren:

AKV NRW e.V.

IBAN DE98 3206 1384 1513 1600 00

Für eine Spendenquittung bitte eine E-Mail an:
Detlef.Lichtrauter@akv-nrw.de

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, um Dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.