87538 Obermaiselstein, 1969

Bestrafung und Beschimpfung

Von: U. Hybelwagner

Guten Abend, 
Ich selber war als Achtjährige gegen Ende der Sechzigerjahre, also 1969-70 in Obermaiselstein zur Kur. Genaue Daten kann ich nicht mehr erfragen. Es gibt keine Briefe oder Unterlagen mehr und meine Eltern sind schon verstorben und können nicht mehr befragt werden.
Die Erinnerungen daran sind wenig konkret, sondern eher ein Gefühl der Verlassenheit, der Unterdrückung und sehr rigiden Erziehungsmethoden. 
Ich erinnere mich an schlechtes Essen, dass komplett aufgegessen werden musste, an mein Päckchen zum Geburtstag, dass ich geöffnet und geleert bekommen habe, dass ich aufgrund einer offenen Wunde am Knie von fast allen Aktivitäten ausgeschlossen wurde und noch einige Details, die sich aber mehr im Gefühlsbereich abspielen und ein ungutes Gefühl hinterlassen haben. 
Die Erinnerungen waren tief vergraben und sind jetzt während einer psychosomatischen Rehabilitation in Oberstdorf im Rahmen der Schematherapie wieder aufgetaucht. 
Ein weiteres Gefühl, dass ich mit diesem Aufenthalt verbinde, ist eine lieblose, wenig empathische Betreuung, Bestrafung und Beschimpfungen. Heimweh und Weinen wurden sanktioniert. 
Ich habe heute eine Fahrt nach Obermaiselstein unternommen und konnte in dem heutigen Bau aber nichts mehr von damals erkennen. Ich habe dann noch die Kirche in Obermaiselstein, die wir auch während meines Kuraufenthaltes immer wieder besucht haben erneut aufgesucht und eine Kerze entzündet und hoffe damit, ein bisschen von dem Elend damals dort lassen zu können… 

4 Jahre zuvor war ich in Mambach im Schwarzwald auch in einem Kinderheim. Habe aber an dort nur die Erinnerung an eine Heimmutter, die meiner eigenen Mutter sehr ähnlich sah und ich glaube, ich habe mich dort ziemlich eng deren Rockzipfel geklammert und so ich das Heimweh als vielleicht nicht so stark empfunden.

Ich finde es erschreckend, dass ich im 65. Lebensjahr mich mit diesen Themen auseinandersetzen muss und feststelle, wie tief diese dramatischen Kindheitserlebnisse verbuddelt waren. 
Ich wünsche mir und allen andern Verschickungskindern , dass diese Wunden noch heilen können. 

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Datum: 26. März 2026
Zeit: 09:55

Anonymisierungs-ID: awr

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