Die ostfriesische Insel Borkum ist als beliebter Urlaubsort bekannt. Für viele ehemalige Verschickungskinder hingegen ist sie bis heute ein Ort des Grauens, der mit Erholung nichts zu tun hat. Tief sitzen die Erinnerungen an Zwang und Gewalt, die sie in den Kurheimen der Insel als schutzbedürftige Kinder erlebten. In ihrer Studie kommt das Team der HU Berlin zu dem Ergebnis, dass es auf Borkum insgesamt 30 Kurheime gab. Die Liste ist hier als Download verfügbar. Borkum ist ab S. 198 zu finden.
Borkum war einer der zentralen Verschickungsort für Kinder aus Nordrhein-Westfalen, insbesondere aus dem Ruhrgebiet.
Das hat nicht zuletzt die dieses Jahr erschienene Studie des Forscher:innenteams um Professor Alexander Nützenadel von der Humboldt-Universität Berlin gezeigt. Auf einer sogenannten Heatmap leuchteten die Orte Norderney und Borkum tiefrot auf – ein Zeichen für eine extrem hohe Heimdichte.
Die vollständige Studie ist hier als Download verfügbar
Kinderkurheime mit Fotos – zusammengestellt vom Heimatverein der Insel Borkum
Der Heimatverein Borkum hat 30 nachweislich existierende Kinderkurheime erfasst und mit Fotos dokumentiert. Die Übersicht erleichtert es Betroffenen, das Heim ihrer Verschickung wiederzufinden und anhand der Bilder wiederzuerkennen.
Quelle: Archiv Heimatverein der Insel Borkum e.V.
Borkum-Austauschgruppe: Nicht 30, sondern 31 Kinderkurheime
Die Recherchen der Borkum-Austauschgruppe, die von ehemaligen Verschickungskindern gegründet wurde (weitere Informationen hier), haben ergeben, dass es auf der ostfriesischen Insel nicht nur 30, sondern 31 Kinderkurheime gab.
Eine Übersicht dieser Einrichtungen hat die Borkum-Austauschgruppe hier zusammengestellt:
Folbertliste 1956 + 1964 belegt: Bereits 28 Kinderkurheime auf Borkum verzeichnet
Die sogenannte Folberth-Liste bezeichnet historische Verzeichnisse von Kinderkur- und Verschickungsheimen, die in den 1950er und 1960er Jahren erstellt wurden. Sie sind nach Dr. Folberth, einem Mediziner und Funktionsträger im Kur- und Verschickungswesen der Nachkriegszeit, benannt.
Die Listen dienten ursprünglich verwaltungsinternen und medizinischen Zwecken. Sie wurden genutzt, um einen Überblick über bestehende Kinderkurheime zu behalten, die für Erholungs- und Kuraufenthalte von Kindern in Frage kamen. In den bekannten Fassungen – insbesondere aus den Jahren 1956 und 1964 – sind Heime nach Orten aufgeführt, teils mit ergänzenden Angaben zur Nutzung.
Bedeutung für die heutige Aufarbeitung
Heute haben die Folberth-Listen eine wichtige dokumentarische Bedeutung für die Aufarbeitung der Geschichte der Kinderverschickungen. Sie gelten als zentrale historische Quelle, um:
die Existenz von Verschickungsheimen zu belegen
die Dichte von Heimen an bestimmten Orten nachzuvollziehen
erste Heimlisten zu rekonstruieren, wenn andere Unterlagen fehlen
Gerade an Orten wie Borkum, wo viele Heime existierten, helfen die Folberth-Listen dabei, Orte zu identifizieren, die lange nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein waren.
Die Borkum-Austauschgruppe hat die Borkum-Heime aus Folterth-Liste hier zusammengefasst.
Die Original-Folbertliste im Wortlaut – Historische Auflistung der Kinderkurheime
Redaktion: Michaela Stricker