Landesregierung NRW fördert weiteres „Citizen Science Projekt-Kinderverschickungen-NRW“ bis 2028
Düsseldorf, 16. Dezember 2025 – Der von Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann initiierte „Runde Tisch Verschickungskinder NRW“ trat heute zum sechsten Mal im Düsseldorfer Landtag zusammen. Eine zentrale und äußerst positive Nachricht überbrachte dabei Thomas Wallenhorst, Leitender Ministerialrat im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS):
„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Minister Laumann die Förderung eines weiteren Citizen-Science-Projekts bis Ende 2028 unterzeichnet hat.“
Die beiden Betroffenenvertreter reagierten mit großer Freude auf die Entscheidung. Detlef Lichtrauter, 1. Vorsitzender des Vereins Aufarbeitung Kinderverschickungen NRW e.V., betonte die Bedeutung dieser Entwicklung: „Was als Engagement Einzelner begann, ist zu einer sichtbaren Bewegung geworden. Die Aufarbeitung der Kinderverschickungen wächst weiter hinein in das gesellschaftliche Bewusstsein – getragen von Menschen, die aushalten, zweifeln, hoffen, weitermachen.“
Fortschritte in der gemeinsamen Aufarbeitung
Seit März 2023 treffen sich Vertreter*innen von Trägerorganisationen sowie zwei Ministerien, die über Jahrzehnte an den Kinderverschickungen beteiligt waren, um konkrete Wege der Aufarbeitung zu definieren. Im Mittelpunkt der bisherigen Arbeit standen die Themenfelder:
- Antrag und Diagnose
- Steuerung und Transport
- Kurlandschaft
- Kuraufenthalt
- Erkenntnisse und Konsequenzen
Diese Schwerpunkte wurden durch interdisziplinäre Fachvorträge wissenschaftlicher Expert*innen begleitet – unter anderem zu den Themen „Recht auf Aufarbeitung“, „Langzeitfolgen von Kindheitstrauma“, „Institutionelle Gewalt gegen Kinder“ und „Heimaufsicht“.
Zu den wichtigen Ergebnissen des Gremiums zählen zudem:
- die Zusicherung der Bestandssicherung noch vorhandener Akten,
- eine eineinhalbtägige Archivtagung in Münster zur Klärung von Archivlage und Forschungszugängen,
- die Initiierung unabhängiger wissenschaftlicher Forschungsprojekte,
- sowie die öffentliche Anerkennung des Leids der Verschickungskinder.
Ein weiterer Meilenstein war die von vier Trägerorganisationen beauftragte Bundesstudie der Humboldt-Universität zu Berlin, die im Mai 2025 vorgestellt wurde. Sie belegt weit verbreitete strukturelle und institutionelle Missstände sowie Misshandlungen im Zusammenhang mit den Kinderverschickungen.
Weiterhin Forderung nach Unterstützung durch die Träger
Bei aller Freude über die heutige Entscheidung bleibt die Notwendigkeit weiterer Unterstützung bestehen. Der Appell, den Verein AKV-NRW e.V. finanziell zu unterstützen, richtet sich an die beteiligten Trägerorganisationen, um notwendige Hilfsangebote für Betroffene langfristig zu sichern.
Der zweite Betroffenenvertreter Joachim D. fasst dies prägnant zusammen: „Aufarbeitung ist eine Bewältigung der Vergangenheit für die Gegenwart und für die Zukunft.“
Kontakt bei Rückfragen:
Michaela Stricker
Projektleitung CSP-KV-NRW
Citizen-Science-Projekt-Kinderverschickungen-NRW
Michaela.Stricker@akv-nrw.de
+49 156 78821724