Von: A.H.
Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: 1980 mit 9 Jahren und meiner 5-jährigen Schwester im Haus Marion. Selbst heute noch läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich an diesen „Urlaub“ denke. Wir wurden nachts in den Zimmern eingesperrt und durften nicht auf die Toilette. Meine Schwester hat jede Nacht geweint. Wer sich während des Essens erbrechen musste, musste so lange sitzen bleiben, bis er sein Erbrochenes wieder aufgegessen hatte. Irgendwelche Tabletten mit Vitaminen gab es abends zum Schlafen. Vermutlich waren es Beruhigungsmittel. Wir durften nicht telefonieren, unser Taschengeld wurde uns abgenommen. Wir bekamen es am letzten Tag wieder, um Andenken für unsere Eltern zu kaufen. Postkarten durften wir nur unter Aufsicht schreiben und es wurde uns gedroht ja nur Gutes zu schreiben. Es gab kein nettes Wort. Wir wurden zum Teil beschimpft und erniedrigt. Und als wir zurückkamen, glaubte uns niemand und es wurden uns Schauergeschichten unterstellt. Meine Schwester ist danach noch jahrelang zu meiner Mutter ins Bett gekrochen. Ich habe sogar noch Gruppenbilder von unserem Aufenthalt.
Datum: 24. Juli 2026
Zeit: 10:21
Anonymisierungs-ID: ayj