Von: B.H.
Ich war 12/13Jahre alt.
Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: Ich musste diesen Aufenthalt machen wegen einer ausgestandenen Herzmuskelentzündung. Angekommen im Heim – ich glaube die Heimleiterin hiess M., wurde unsere Kleidung weggeräumt. Wir durften U wäsche und den Anorack anziehen. Ansonsten gab es Heimkleidung – einschliesslich der blau- weiss gestreiften Mütze. Es gab seeeehr strenge Regeln bei allem. Zur Toilette nur zu bestimmten Zeiten, es gab nirgends Türen, nicht viel reden mit anderen Kindern. Ins Bett ging es sehr früh. Wir konnten andere Kinder im Sonnenschein spielen hören. Ich musste mal zur Toilette – nachdem wir schon in den Betten lagen. Anschliessend musste ich zur Strafe, im Schlafanzug im Flur stehen, wie lange kann ich nicht mehr sagen. Wir wurden regelmässig mit „Meerwasser“ abgeschruppt und mussten jeden Tag einen Becher Salzwasser trinken. Die Süssigkeiten, die unsere Eltern uns per Päckchen senden durften wurden sortiert und verteilt. Wenn wir gehorsam waren, gab es diese Sachen in einer „Knusperstunde“. Täglich mussten wir unseren Namen, Anschrift und Alter aufsagen. Wer es nicht konnte, musste sich irgendwo an die Wand stellen zur Strafe. Unsere Gruppenleiterin hiess “ Fräulein M.“ und musste auch so angesprochen werden. Reste am Teller gab es nicht, verboten. Es gab sehr viel Brei – Reis, Gries, Hafer, Kartoffel. Gegessen wurde meist mit Löffeln, selten mit einer Gabel – Messer gab es keine.
Ich habe 3 jüngere Geschwister. Die jüngsten sollten ebenfalls in dieses Heim. Als mein jüngster Bruder fahren sollte, war ich schon 20 Jahre alt und konnte das verhindern. Der andere Bruder musste dieses Heim leider auch besuchen – ich war erst 17 und konnte das leider nicht verhindern.
Es war wirklich traumatisch. Bis heute würde ich kein Kind – allein – zur „Erholung“ in ein Kinderheim schicken.
Ich finde es gut, dass diese Umstände angesprochen werden.
Dankeschön, liebe Grüße
Datum: 9. Juli 2026
Zeit: 14:38
Anonymisierungs-ID: ayh