26757 Borkum, 1974

Nachtschlaf ab 17 Uhr mit Gesicht zur Wand

Von: G.R.

Dauer der Verschickung: 6 Wochen Sommerferien
Bericht: Meine Schwester und ich, damals 6 und 9 Jahre alt, wurden damals zur meine mit 4 Jahren eine Hirnhautentzündung hatte. Am Bahnhof bekamen wir hellblaue Mützen, die wir in den kompletten 6 Wochen tragen mussten, wenn wir draußen waren, dass die Frauen uns immer sofort identifizieren konnten. Meine hatte die Nummer 23.
Bei der Ankunft wurden wir in Altersgruppen aufgeteilt und ich habe meine kleine Schwester 6 Wochen lang nicht sehen dürfen. Das hat man mir verboten. Ich sollte auf sie aufpassen. Das hatte ich meinen Eltern versprochen.
Es fehlten einige Koffer. Wir mussten in den ersten Woche alle Anstaltskleidung tragen, dass sich niemand benachteiligt fühlte.
Es gab keine Uhren im Heim. Wir mussten immer sehr früh in die Schlafsäle. Ein junger Mann aus der Küche hat uns einmal seine Armbanduhr gezeigt als wir schlafen gegangen sind. Es war 17 Uhr. Wir wurden jeden Tag um 17 Uhr ins Bett geschickt. Hände über die Decke. Gesicht zur Wand. Kein Wort reden.
Wer geredet hat oder aufgestanden ist, wurde bestraft. Man durfte dann auch nicht mehr auf Toilette. Wer ins Bett gemacht hat, wurde lächerlich gemacht.
Es gab feste Zeiten für Toilettengänge.
Dabei wurden Strichlisten geführt.
Ein Kreuz für viel Stuhlgang, ein Strich für normalen Stuhlgang, ein Punkt für zu wenig Stuhlgang. Dann wurde geschimpft.
Zum Essen gab es immer einen weißen Plastikbecher mit Meerwasser und Seetang. Der musste leer getrunken werden. Es gab Mädchen in meiner Gruppe, die das verweigert haben und sich übergeben haben, nachdem sie gezwungen wurden, es zu trinken.
Einmal täglich wurde unsere Gruppe zum Sonnenbaden in den Garten gebracht. „Dass Ihr gesund ausseht, wenn Ihr nach Hause kommt. „
Wir Mädchen sollten alle unsere Oberteile ausziehen. Nebenan lag eine Gruppe Jungs und einige von uns waren schon am Beginn der Pubertät. 3-4 Mädchen haben sich geweigert, das Shirt auszuziehen. Nach viel reden durften wir das Shirt anbehalten.
Es gab Pakete der Eltern mit Süßigkeiten, die wir nicht selbst auspacken durften. Die Frauen haben ausgepackt und die Sachen mussten mit den anderen Kindern geteilt werden, dass sich niemand benachteiligt fühlt.
Karten oder Briefe unserer Eltern sind nie an uns weitergegeben worden.
Wir wurden regelmäßig gewogen. Danach wurde entschieden, was wir essen mussten oder durften.
Es gab auch eine weiße Tablette zum Essen. Man hat uns gesagt, das sei wichtig. Sonst nichts. Als Kind hat man das aber nicht hinterfragt.
Ich kann mich an zwei Spaziergänge an den Strand erinnern. Einmal nur wandern, einmal zum Schwimmen. Die meiste Zeit haben wir im Heim verbracht.
An Spiele habe ich gar keine Erinnerung. Auch nicht an die Hin-oder Heimfahrt.


Datum: 15. Mai 2026
Zeit: 11:36

Anonymisierungs-ID: axg

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