87474 Buchenberg, 1978

Alle mussten sich regelmäßig übergeben

Von: B.Sch.

Dauer der Verschickung: 6 Wochen
Bericht: 1979 wurde ich für sechs Wochen nach Buchenberg geschickt. Ich war damals in der zweiten Klasse. Am Anfang habe ich mich darauf gefreut, aber nach ein paar Tagen bekam ich Heimweh. Weinen durfte man allerdings nicht, dann wurde man geschimpft und bloßgestellt. Getröstet wurde man nicht. Die Briefe nach Hause wurden zensiert. Ich durfte nicht schreiben, dass ich Heimweh hatte, sondern sollte stattdessen schreiben, dass alles schön und gut sei. War es aber nicht. Das Essen war auch nicht besonders gut und vor allem ziemlich ungesund. Ich erinnere mich an Brot mit Butter und einer dicken Schicht Zucker darauf, an Mehlsuppen und an einen Himbeerpudding, der für mich nach Blendi-Zahnpasta geschmeckt hat. Man musste alles aufessen. Ich habe mich deshalb fast jeden Tag übergeben; so oft wie noch nie in meinem Leben. Die anderen Kinder haben sich auch häufig übergeben. Das war ziemlich problematisch, weil es vor dem Schlafsaal zu wenige Klos gab. Oft wurde Kindertanz veranstaltet, und man musste tanzen, ob man wollte oder nicht. Einmal in der Woche wurden wir von einem Arzt untersucht. Der war aber nett. Es gab auch Schule, aber der Unterrichtsstoff war eher was für Kindergartenkinder als für Grundschüler. Positive in Erinnerung habe ich die Spaziergänge durch den Schnee und dass wir viel gesungen haben.

Datum: 11. August 2026
Zeit: 22:08

Anonymisierungs-ID: bac

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