26474 Spiekeroog, 1975

Folter und Liebesentzug

Von: T.H.

mein Name ist T. H. und war am 20.4.75 – Brief einer Betreuungsperson datiert – auf Spiekeroog mit 6 1/2 Jahren verschickt worden.  
Leider weiß ich nicht wo und warum wirklich. Asthma wie mein Vater hatte ich nicht, soll aber ein Grund gewesen sein. Ich kann mich an keine Krankheit erinnern, wohl aber an den traumatischen Aufenthalt. Meine Eltern und mein älterer Bruder (A.) – der auch dort war – lebt nicht mehr. Der Bruder suizidierte sich letztes Jahr. Ich selbst leide bis heute. Ich wurde von anderen Kindern gemobbt, geschlagen, gedemütigt und mit Taschenlampen von Erziehern nachts in Gesicht gestrahlt, um zu sehen, ob jemand nicht schläft. Als ich mir dabei die Augen rieb, musste ich zur Strafe in der Ecke stehen. 
Von Erholung keine Spur eher Folter und Liebesentzug am Kind. Bis heute habe ich immer wieder große Probleme bei zwischenmenschlichen Beziehungen auf Arbeit und in der Familie. 
Der Brief, der zuhause ankam, wurde wahrscheinlich von Erziehungsperson geschrieben. Er war von Hand geschrieben und fing an mit „Lieber Vati, liebe Mutti, hier ist es schön…“, dabei sprach ich meine Eltern immer mit „Tata und Mama“ an. Er war eine halbe DINA5 Seite lang und endete mit „Ich habe bis jetzt keinen Freund gefunden, aber das kommt sicher bald noch. Jetzt weiß ich nichts mehr zu erzählen. Viele Grüße“ und drunter mit meiner Kinderschrift in Großbuchsten falsch geschrieben „T.“.

Vielleicht waren wir im gleichen heim untergebracht. Evtl. Meerstern von Caritas. Heute Mutter-Kind-Klinik. Erfahren von … für Spiekeroog verschickte Kinder. Bein Bruder würde auch getrennt von mir untergebracht.

Anonymisierungs-ID: bbr

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