Nachsorge – ein Gedicht von Gudrun Güth

Wie lange ein Begegnungstag nachwirken kann: Gudrun Güth verarbeitet ihre Erlebnisse beim Begegnungstag in Dorsten am 03.10.2026 in einem Gedicht.

„Ich hätte selbst nicht gedacht, dass mir bei meinem dritten Begegnungstag in Dorsten vieles – die Gespräche, der Workshop, der Film – so nah gehen würde. Dabei war ich davon ausgegangen, dass ich mit meinem Buch ‚Irrlichtern‘ alle traumatischen Erfahrungen abgearbeitet hatte. Stimmt also nicht wirklich. Daher habe ich mein drittes Dorsten jetzt in ein Gedicht verwandelt.“

Nachsorge

Was die Haut zu erzählen hat

sind Geschichten von Klammergriffen

aus Eisen aus Stahl

von Wundblasen Schmerzpocken

Druckstellen und Narben

von tiefen Herzragaden

zum Glück häutet sie sich

wirft wie eine Schlange

die alte Schuppenhaut ab

ist dünn, aber samtweich

eben anders normal

das Erzählen darüber

unter versteckten Tränen

immer hautnah

Gudrun Güth ist eine renommierte und mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher sowie Lyrik und Kurzgeschichten für Erwachsene.

In ihrer Erzählung „Irrlichtern“ verarbeitet sie erstmals für ein erwachsenes Publikum ihre eigenen autobiografischen Erfahrungen als Verschickungskind. Das Schreiben war für sie auch eine Form der Auseinandersetzung mit den traumatischen Erfahrungen ihrer Kinderverschickung.

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